Der Wellensittich beim Tierarzt

Besuch beim Therapeuten

Der Gang zum Tierarzt sollte nicht erst dann erfolgen , wenn der Vogel bereits sichtlich erkrankt ist. Vielmehr ist der Tierarzt auch für allgemeine Fragen, wie z.B. bei der optimale Haltung, Ernährung und Gesundheitsvorsorge Dein Ansprechpartner. Regelmäßig solltest Du Kotproben auf Parasiten untersuchen lassen. Kennt der Tierarzt Sie und Ihre Vögel, reicht es bei einem Krankheitsfall wahrscheinlich oft, dass Sie sich Rat und Heilmittel holen, um dem Vogel die Strapazen des Transportes zu ersparen.

Vor dem Arztbesuch

Bringen Sie, wenn möglich, den Vogel in seinem eigenen Käfig (es sei denn , er ist zu groß ) zum Tierarzt.
Der Käfig sollte vorher nicht gereinigt werden.

Sind mehrere Vögel im Käfig, aber nur einer ist krank, bringen Sie sie ALLE mit. Die anderen könnten sich schon infiziert haben.

Der Käfig sollte nur noch ein oder zwei Sitzstangen haben , um das Fangen des Patienten zu erleichtern.

Decken Sie den Käfig ganz ab, um den Stress für den Vogel zu vermindern und Zug zu vermeiden. Der Transport sollte so schonend wie möglich erfolgen.

Bringen Sie zur Untersuchung neben Proben des gesamten Futters zusätzlich frischen Kot, ausgefallene Federn, sowie auch das Spielzeug mit.

Beim Therapeuten

Um der Erkrankung auf den Grund zu gehen, wird der Tierarzt wahrscheinlich vieles von Ihnen wissen wollen. Es kann nicht schaden wenn Sie sich vorher schon Gedanken und vielleicht sogar Notizen machen.

Fragen vor dem Besuch

Welches Problem hat der Vogel gegenwärtig?
Wie ist es dazu gekommen?
Seit wann bestehen die Krankheitsanzeichen?
Sind weitere Vögel oder andere Tiere erkrankt?
War dieser oder ein andere Vogel schon einmal krank?
Ist in den letzten sechs Monaten ein anderer Vogel dazu gekommen?
Gab es Kontakt zu anderen Vögeln / Wildvögeln?
Wie lange ist der Vogel schon in Ihrem Besitz?
Woher kommt er? ( Züchter oder Wildfang? )
Haben Sie schon Selbstmaßnahmen ergriffen , wenn ja welche?
Wie verhält sich der Vogel zu Hause?
Reagiert er auf die Umgebung?
Frisst der Vogel und wie viel?
Haben Sie das Futter umgestellt?
Was füttern Sie (evtl. Proben mitnehmen)?
Hat sich die Wasseraufnahme verändert?
Kann der Vogel sonstige Pflanzen oder Stoffe aufgenommen oder eingeatmet haben?
Hat sich die Kotbeschaffenheit geändert?
Wenn ja wie?
Wie alt ist das Tier?
Welches Geschlecht hat der Vogel ?
Brütet er?
Ist ein Partner oder eine Bezugsperson weg?
Wie wird der Vogel gehalten (Käfig, Voliere, Freiflug - im Haus oder draußen, zusammen mit anderen)?
Wo steht der Käfig ( Küche, Wohnzimmer, natürliches Sonnenlicht, Schatten, Zugluft) ?
Wie groß ist der Käfig?
Wie ist der Käfig eingerichtet ( Art der Stangen, Qualität/ Haltbarkeit des Spielzeugs) ?

Aufgrund der von Ihnen beantworteten Fragen, der Laboruntersuchung der mitgebrachten Proben sowie einer gründlichen Beobachtung und Untersuchung des Vogels wird der Tierarzt seine Diagnose stellen und den kleinen Patienten behandeln.
Den Behandlungsplan, den er für zu Hause aufstellt, sollten Sie genau befolgen. Möglicherweise bestellt der Tierarzt den gefiederten Patienten nach ein paar Tagen noch einmal zur Kontrolle.

Wie finden Sie einen Naturheilkundlich arbeitenden Tierarzt für Vögel?

Ob ein Tierarzt auf Heimvögel spezialisiert ist, geht aus seinem Schild nicht hervor, den er darf Interessenschwerpunkte nicht veröffentlichen. Doch nach einigen Jahren weiteren Studiums kann er Zusatzbezeichnungen aus dem Bereich der Naturheilkunde führen (z.B. Homöopathie). Informationen über die entsprechend ausgebildete und tätigen Tierärzte können die einzelnen Tierärztekammern geben. Sie können auch in der Praxis nachfragen, ob dort gern oder häufig Vögel behandelt werden.

Wichtig: Besonders kleinere und geschwächte Vögel können sich alleine dadurch, dass sie zur Untersuchung gefangen, in die Hand genommen und behandelt werden, so aufregen, dass sie an einem Schock sterben. Dieser Unfall ist tragisch, aber kaum zu verhindern und dem Tierarzt nicht anzulasten!! Wenn möglich, werden solche Risikopatienten deshalb oft nur im Käfig beobachten.


Medizin für Sittiche

Präparat Wirkung Toxität Dosierung Anwendung Info
Nilverm ® (UK) Breitspektrum-anthelmintikum auch Larvenstadien, Spulwürmer, Haarwürmer gering (WS vertragen die10facheDosis) 5-10mg/100g Vogel einmalige Behandlung, Eingabe in Kropf oder Schnabel -
Mintic ® Promintic ®Dekelmin ® Haarwürmer auch Larvenstadium hoch, Dosierung einhalten! 7mg/100g Vogel Eingabe in Schnabel oder Kropf Rosella & größer pro Tier 1 leicht gehäufter Eislöffel
Thibenzole gegen Haarwürmer erst in sehr hohen Dosen, Breitenspektrum-anthelmintikum, auch Larvenstadien gering 20mg/100g Vogel verrühren mit Butter oder Wasser zu Brei, Eingabe in Schnabel Dosis in etwasWasser lösen.VORSICHT! Das Tier nach vorn halten, ungefähr Sitzstellung, damit Mittel nicht in die Luftröhre kommt
Thibenzole Luftröhrenwürmer gering 200mg/ 1kg Vogel ins Futter oder Eingabe in Schnabel über längere Zeit dito
Dosierung für Nilverm ®einzelne G.S. Sittiche über Rosellagrösse 0,5 ml = 10 Tropfen
"
Sittiche in Rosellagrösse 0,4 ml = 8 Tropfen
"
Sittiche in Singsittichgröße 0,3 ml = 6 Tropfen
"
Neophemaarten(z.B. Schön- oder Bourkesittich) 0,2 ml = 4 Tropfen

Durchfall beim Wellensittich

Beim Durchfall handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom. Daher kann auch nicht jeder Durchfall mit den selben Mitteln bekämpft werden. Es ist daher sehr wichtig, dass die Ursache des Durchfalls festgestellt wird. Legen Sie dazu weißes Papier in den Käfig, damit der Tierarzt gleich Kotproben zur Verfügung hat.

Der normale Wellensittichkot ist fest, dunkelbräunlich und in der Mitte ist der weiße Urin zu erkennen. Bei reichlich Obstverzehr oder Grünfutter ist der Kot auch schon mal grünlich aber immer aus einer Masse bestehend und niemals breiig. Der Morgenkot ist in der Regel. immer etwas lockerer als während des Tages, da die Wellensittiche nachts nicht fressen. Der Urinanteil ist fest.

Sollte der Kot aber breiig bis flüssig oder gar blutig-rot sein, ist höchster Alarm!!! Ist der Urinanteil flüssig, handelt es sich um eine Nierenerkrankung (Polyurie).

Erste Hilfe

Da Sie die Ursache nicht kennen, können "Hausmittel" manchmal mehr Schaden als Nutzen anrichten. Auf keinen Fall darf der Sittich Kamillentee oder ähnliches bekommen. Der Wellensittich verliert viele wichtige Mineralstoffe - daher sollte er ein kohlensäurefreies Mineralwasser oder noch besser eine Tyrode-Lösung bekommen. Die Tyrode-Lösung ist ein speziell für Ziervögel abgestimmte Mineralstofflösung. Jede (gute) Apotheke sollte diese herstellen können.

Tyrode-Lösung:

· NaCi :8,0g
· CaCI2 :0,13g
· KCI :0,2g
· MgCI2 :0,1g
· NaH2PO4 :0,05g
· NaHCO3 :1,0g
· Glukose :1,0g
· Aqua dest ad 1000ml

Hausapotheke für Notfälle

Es gibt einige Dinge, die Sie unbedingt im Notfall griffbereit haben sollten. In manchen Situationen kann Ihrn Handeln über Leben und Tod Ihres Wellensittichs entscheiden. Auf diesen Fall, der bei Ihnen hoffentlich niemals eintreten wird, sollten Sie sich dennoch vorbereiten.

Suchen Sie zuerst Adresse, Sprechzeiten und Telefonnummer eines Tierarztes in Ihrer Nähe heraus und notieren diese an einer Stelle, wo Sie die Notiz auch in einer Notsituation sofort wiederfinden. Außerdem rate ich Ihnen, die Anschrift/Telefonnummer einer Tierklinik mit nächtlichem Notdienst an jener Stelle aufzuschreiben. Schauen Sie sich zudem im Stadtplan an, wie Sie am Schnellsten zum Arzt kommen, sofern sie die Praxis nicht ohnehin schon kennen. Hat Ihr Sittich irgendwann einen Unfall, brauchen Sie keine wichtige Zeit damit zu vertrödeln, erst die Telefonnummer und dann noch den Weg zu suchen.

In sehr vielen Fällen ist Erste Hilfe dringend erforderlich, damit Sie den Vogel überhaupt zum Tierarzt transportieren können. Starke Blutungen beispielsweise müssen Sie so schnell es geht stoppen, sonst verblutet der Vogel womöglich auf dem Weg zum Arzt. Zu diesem Thema empfehle ich Ihnen folgendes Buch:

Tim Hawcroft: Erste Hilfe für Vögel
Könemann-Verlag
ISBN 3-89508-539-1
Preis:: EUR 3,55

Erste Hilfe-Notfallapotheke (das sollten Sie immer zuhause haben):

· Rotlichtlampe (nützlich bei Erkältungen, Legenot etc.)
· Paraffin (z.B. um Vogelmilben zu bekämpfen)
· Nasentropfen (z.B. Otriven® gegen Nasenverstopfung)
· Vitamin -u. Mausertropfen (bei Mauserproblemen)
· Sanopin- Wern® Eucalyptusölgemisch (als entzündungshemmendes Dampfbad) ;alternativ geht auch Kamillentee.
· Hansamed® Wund-Desinfektionsspray (Wirkstoff: Chlorhexidindigluconat für kleinere Verletzungen)
· Transportkäfig (für den Transport zum Tierarzt)
· Vogelschere (zum Schneiden von Zehennägel)
· Milben - Ex Spray gegen Vogelmilben
· Vogelkohle gegen Durchfall

Anzeichen einer Erkrankung:

· Vogel ist aufgeplustert
· frisst nicht · erbricht
· hat dünnen-wässrigen Durchfall
· frisst oder reisst Federn aus
· ist abgemagert
· Krämpfe oder Lähmungen
· laute Atemgeräusche, Fiepen, häufiges Niesen
· Vogel hängt mit dem Schnabel nach oben im Käfig
· Vogel kann sich nicht auf Stange festhalten
· kratzt sich permanent
· hustet, spuckt Schleim
· Schleim läuft aus den Nasenlöchern
· Vogel sitzt verkrampft da und versucht, Kot abzusetzen

Wenn Sie solche Symptome feststellen, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen.

Am besten legen Sie Ihrem Vogel statt Sand weißes Papier im Käfig aus, damit der Tierarzt den Kot untersuchen kann. Der Transport sollte möglichst in einer kleinen Transportbox erfolgen, die von drei Seiten geschlossen ist, damit der Vogel nicht unnötig herumgeschüttelt wird oder sich gar noch zusätzlich erkältet.

Verabreichen von Medikamenten

Selbst bei der intensivsten und gründlichsten Pflege kann ein Vogel krank werden und auf Heilmittel angewiesen sein. Hierbei gibt es mehre Möglichkeiten, Medikamente oder Vitamine zu verabreichen.

Mit dem Futter

Hierbei gibt es das Problem, das Medikamente bzw. Vitamine im allgemeinen nicht verabreicht werden können, weil das kranke Tier die Nahrung häufig verweigert oder nur sehr wenig zu sich nimmt. Außerdem werden Körner beim Verzehr entspelzt, so dass die an der Spelzen haftenden Heilmittel oder Vitamine erst gar nicht an ihr Ziel gelangen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Heilmittel oder Vitamine über Weichfutter zu verabreichen, sofern der Vogel noch ausreichend Nahrung zu sich nimmt. Darum sollten Sie Ihre Papageien und Körnerfresser rechtzeitig an Weichfutter gewöhnen, um ihnen auf diesen Weg Zusatzstoffe geben zu können. Manche Vogelbesitzer greifen hier zu Tricks, wie z.B. Vitamine oder Mineralien oder Medikamenten zu füttern und diese dann als lebendige "Pillen" dem Vogel als besonderes Leckerbissen anzubieten.

Mit dem Trinkwasser

Auch die Therapie, über das Trinkwasser Heilmittel, Vitamine oder Mineralien zu verabreichen, birgt einige Probleme. Durch Einmischen von Heilmitteln, Vitaminen oder Mineralstoffen kann sich der Geschmack des Wassers verändern, so dass der Vogel das Wasser ablehnt. Manche Vogelarten können im Notfall auch tagelang ohne Trinken auskommen !!! Allerdings bilden hier Vitamine, Jodtropfen und Traubenzucker eine Ausnahme: Trinkwasser hiermit versetzt, wird meist sogar sehr gern getrunken.

Direkt in den Schnabel

Die sicherste Verabreichungsmethode ist die des direkten Eintropfens des Therapeutikums direkt in die Schnabelhöhle. Diese sollte bei der Erstbehandlung auf jeden Fall angewendet werden. Hierbei muss aber auch auf die richtige Lagerung des Patienten geachtet werden: Der Kopf des Vogels sollte leicht schräg abwärts gehalten und der Kopf mit Daumen und Zeigefinger fixiert werden.

Das Einflößen erfolgt mit einer Pipette oder Einwegspritze, die an der oberen Schnabelhälfte angesetzt wird, um das flüssige Mittel langsam einzuflößen. Diese Verabreichungsmethode ist sowohl bei Vögeln mit geradem Schnabel als auch bei Papageien möglich.

Papageien können Heilmittel auch direkt eingeflößt werden. Hierzu nimmt man eine Plastik - Einwegspritze ohnen Nadel, da Papageien die Glaspipette wohl zerbeißen würden. Normalerweise werden Heilmittel gut geschluckt, sollte es aber nicht so sein, brechen Sie den Vorgang sofort ab und gehen bitte sofort zum Tierarzt!!

Ampullen

Einige Medikamente sowie viele homöopathische Mittel werden heute in Ampullenform verschrieben. Diese sind vom Hersteller mit einem Punkt markiert, an dem die Sollbruchstelle eingeritzt ist. Drehen Sie den Punkt zu sich und brechen den Kopf der Ampulle in die entgegen gesetzte Richtung ab. Dann können Sie das Mittel mit Hilfe der Pipette oder Spritze leicht entnehmen und wie oben beschrieben eingeben. Die Reste verschließen Sie bitte mit Tesafilm und bewahren ihn bis zur nächsten Verabreichung in senkrechter Lage, (z. B in einem Schnapsglas ) im Kühlschrank auf.

Salben, Tinkturen, Sprays

Um diese Mittel zu verabreichen, verwenden Sie bei kleinen Flächen am Besten Wattestäbchen, oder Wattetupfer eventuell auch den Finger, bei größeren Flächen, um diese Mittel aufzutragen oder zu verstreichen.

Wenn das Gefieder eingesprüht werden muss, sollte dies in einem Abstand von 20 cm geschehen. So wird der Sprühstrahl weicher und die einzelnen Tröpfchen verteilen sich besser. Um einen Vogel gegen Parasiten zu behandeln, muss das Gefieder angehoben werden, um mit den Mitteln auch die Haut zu erreichen. Wärmen Sie das Sprühmittel vorher etwas an.

Inhalieren

Um dem Vogel eine Inhalation anzubieten, kochen Sie einen Sud z.B. aus Kamille und stellen das Gefäß mit dem heißen Inhalt in den Käfig. Das Gefäß sollte mit einem engmaschigem Gitter oder einem Sieb abgedeckt werden. Um die Dämpfe im Käfig zu halten, legen Sie ein dickes Handtuch oder eine Decke um den Käfig. Diese Inhalation sollte bis zur Besserung täglich 15 bis 30 Minuten durchgeführt werden.

Naturheilkunde für Vögel

Ist Ihr Sittich krank, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen, der eine Diagnose stellt und dem Vogel Medikamente verabreicht. In letzter Zeit behandeln immer mehr Tiermediziner Wellensittiche nicht nur mit den gängigen Mitteln der Schulmedizin, sondern setzen als ergänzende therapeutische Maßnahme auch naturheilkundliche Verfahren ein.

Falls Ihr Tierarzt keine homöopathischen oder naturheilkundlichen Mittel einsetzt, heisst das nicht, dass Sie an einen schlechten Mediziner geraten sind. Derzeit findet ein Umdenken statt, denn die Wirkung vieler Verfahren war lange Zeit umstritten. In der letzten Zeit erkannte man jedoch die Wirksamkeit homöopathischer Mittel auch bei der Behandlung von Krankheiten bei Tieren an. Forschungsergebnisse, die die Wirkungsweise der Medikamente stichhaltig erklären, stehen allerdings noch immer aus.

Freilich wird man mit den Essenzen keinen Tumor heilen können, aber leichtere Erkrankungen heilten bei meinen Tieren merklich reibungsloser ab, als ich ihnen neben den schulmedizinischen Mitteln auch Homöopathische verabreichte. Als ergänzende Maßnahme wirken sie positiv auf das Gesamtbefinden der Vögel ein.

Sämtliche Mittel und Möglichkeiten zu erklären, würde den Rahmen dieses Angebots sprengen. Deshalb möchte ich allen Neugierigen Bücher zu diesem Thema empfehlen, die ich recht lesenswert finde.

Bernard Dorenkamp
Natural Health Care for Your Bird : Quick Self-Help Using Homeopathy and Bach FlowersBarron's Educational Series
ISBN 0-7641-0124-2
Titel bei Amazon anschauen oder gleich anfordern
Anmerkung: Dieses Buch gab es bis vor kurzem in deutscher Sprache. Wer des Englischen mächtig ist, wird an diesem Buch vermutlich viel Freude haben.

Rosina Sonnenschmidt, Marion Wagner
Vögel: Akupunktur, Homöopathie, Bach-Blütentherapie, Kinesiologie
Verlag Eugen Ulmer
ISBN 3-8001-7332-8

Naturheilverfahren im Überblick

Die Homöopathie

"Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden". Auf der Grundlage dieser These entwickelte Dr. Samuel Hanemann die Homöopathie, (nach dem Griechischen homoios - "ähnliches" und phatos - "Leiden") zu einer äußerst effektiven Heilkunst.

Sie beruht auf der Erkenntnis, dass ein Mittel ( z.B. Pflanzengift), das beim gesunden Menschen ein bestimmtes Krankheitsbildbild hervorruft, in winzig kleiner Dosis verabreicht, einen Kranken mit denselben Symptomen heilt.

Hahnemann sah die "verstimmte Lebenskraft " als Ursache einer Erkrankung, so dass der Patient empfänglich ist für den Erreger oder Auslöser der Krankheit. Das Ziel der Homöopathie ist, die Grundstörung zu beseitigen und die körpereigenen Heilkräfte zu mobilisieren. Sie erreicht es durch genaue Beobachtung der Krankheitserscheinung (Krankheitsbild) und Anwendung des entsprechenden Similes.

Die homöopathischen Mittel stammen aus Pflanzen, Mineralien und Tieren. Sie sind auf ihre Wirksamkeit (am gesunden Menschen) geprüft. Während in der Phytotherapie ( Pflanzenheilkunde ) die Pflanzen als solche angewandt wird, nutzt die Homöopathie die Wirkstoffe in potenzierter Form; die Wirkung wird durch Verdünnung gesteigert, d.h. potenziert. Dazu wird ein Teil der "Urtinktur" zu neun Teilen Ethanol/Kochsalzlösung gegeben und zehnmal in einer bestimmten Weise kräftig geschüttelt. So erhält man die Potenz D1.

Dann wird ein Teil der D1 wiederum auf die gleiche Weise mit 9 Teilen Ethanol/Kochsalzlösung vermischt, zehnmal gründlich geschüttelt, das ergibt die Potenz D2. Diese Schritte werden bis zur gewünschten Potenz wiederholt.

(Neben den Dezimal-Potenzen gibt es auch C-Potenzen und die weniger gebräuchlichen LM - und Q - Potenzen. Bei den C - Potenzen wird ein Teil der Urtinktur jeweils auf 100 Teilen Ethanol oder physiologische Kochsalzlösung gegeben und in gleichen Schritten weiter potenziert).

Je höher die Potenz, umso dynamischer und tiefgreifender kann die Wirkung sein. Besonders bei den Hochpotenzen geht man davon aus, dass die Wirkung des Mittels nicht mehr von der Materie selbst ausgeht, sondern von der durch schütteln zugeführten Energie zusammen mit der Arzneimittelinformation.

Bei akuten Erkrankungen werden im allgemeinen niedrige und mittlere Potenzen eingesetzt (D3 bis D12), bei chronischen und psychischen Erkrankungen höhere sowie Hochpotenzen. Potenzakkorde verbreitern und vertiefen erfahrungsgemäß den therapeutischen Effekt und ziehen meist keine so genannte "Erstverschlimmerung" nach sich. Die homöopathischen Mittel gibt es in flüssiger Form als Tropfen (auf Alkohol-Basis) oder als Ampullen (auf der Basis physiologischer Kochsalzlösung) zum Spritzen und Trinken. Sie können in ähnlicher Weise auch mit Milchzucker zu Globulis und Tabletten verarbeitet werden. Für die Anwendung am Vogel ist nur die Ampullenform empfehlenswert.

Zwischen der homöopathischen Erstverschlimmerung und der echten Verschlimmerung muss genau unterschieden werden. Bei der Erstverschlimmerung wird nur ein Teil der Krankheitssymptome ausgeprägt. Das übrige Krankheitsbild bessert sich. Die Erstverschlimmerung ist positiv zu beurteilen, denn sie gibt Gewissheit darüber, dass man das richtige Mittel ausgewählt hat. Bei der echten Verschlimmerung verschlechtern sich dagegen alle Krankheitssymptome mit einer zunehmenden Störung des Allgemeinbefindens. Dann muss sofort eine Änderung der Therapie erfolgen!

Während die Wirkung des Substanzen am Gesunden genau geprüft ist, liegen für die Tiere fast keine Arzneimittelprüfungen vor, für Vögel schon gar nicht. Deshalb versucht man so gut wie möglich die beim Menschen beobachteten Erscheinungen (Arzneimittelbilder ) auf die Tiere zu übertragen.

In der klassischen Homöopathie wird angestrebt, nur mit einem einzigen Mittel (Einzelmittel) in einer bestimmten Potenz das Krankheitsproblem zu lösen. Es bedarf jedoch sehr großer Kenntnisse, jahrelangen Studiums, genauester Beobachtung und korrekter Arzneimittelbilder, um erfolgreich behandeln zu können. Bei den Vögeln gibt es besonders große Schwierigkeiten, das richtige Mittel in der richtigen Potenz zu finden, da viele sonst typische (innere) Symptome, Modalitäten und Konstitutionsmerkmale bei diesen Tieren überhaupt nicht zu erkennen und zuzuordnen sind.

Komplexmittel

Leichter und sicherer ist ein Heilungserfolg mit Hilfe von Komplexmitteln zu erreichen. Diese Kombinationspräparate enthalten eine Reihe von homöopathischen Einzelmitteln und haben so ein breiteres Wirkungsspektrum. Hinter jeder Erkrankung verbergen sich komplexe Störungen. Die Komplexmittel fördern umfassend die auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Organen ablaufenden Abwehrvorgänge des Organismus. Bei der Auswahl des oder der richtigen Mittel stützt sich der Therapeut nicht nur auf die Leitsymptome aus den Arzneimittelbildern (Simile -Regel), sondern vor allem auch die klinische Diagnose. Bei häufig vorkommenden Organerkrankung haben sich so genannte "Bewährte Indikationen" für bestimmte homöopathische Einzel - oder Komplexmittel herausgestellt. Darunter versteht man die bewährte Anwendung bestimmter Mittel bei häufigen Erkrankungen.

Homotoxikologie (Biologische Therapie)

Aufbauend auf der klassischen Homöopathie begründete 1952 der Arzt Dr. Hans-Heinrich Reckeweg die Homotoxikologie.

Danach sind Krankheiten der Ausdruck der biologischen zweckmäßigen Abwehrmaßnahmen gegen innere und äußere Gifte z.B. Ausdruck erlittener Giftschäden. Der Körper reagiert auf diese Schädigungen (Homotoxine) mit Abwehrmaßnahmen des Systems der großen Abwehr.

Die Homotoxikologie begreift das akute Kranksheitsgeschehen insofern als etwas Positives, als es durch die Stimulierung der Abwehrkräfte verhindert, dass sich schwere chronische Erkrankungen festsetzten. Diese Selbstheilungskräfte sollen durch die Behandlung, die antihomotoxische Therapie, anregen, die Homotoxine neutralisiert und entgiftet werden.

Die Bach-Blütentherapie

Mit Hilfe der vor rund 70 Jahren entwickelten Bach- Blütentherapie, die der Arzt und Homöopath Dr. Edward Bach entwickelt hat, können negative Seelen - und Charakterzustände wieder harmonisiert werden.

Eine negative psychische Grundeinstimmung kann nicht nur beim Menschen eine organische Krankheit auslösen und eine Genesung verhindern, sondern ebenso beim Tier und ganz besonders beim Vogel in menschlicher Gefangenschaft. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Therapie auch auf Tiere zu übertragen ist und vor allem bei psychischen Störungen und Verhaltungsstörungen (z.B. Ängste Aggressivität, Umgewöhnungsprobleme, Federrupfen) und in schwierigen Situationen helfen kann.

Die Bach - Blüten wirken positiv regulierend auf den negativen Seelenzustand und das Allgemeinbefinden. Daraus folgt indirekt eine höhere Widerstandskraft gegen seelisch bedingte körperliche Störungen. Es wäre aber falsch zu hoffen, dass mit der Bach - Blütentherapie organische Krankheitszustände geheilt werden könnten. Sie kann aber begleitend zu anderen Therapien den Heilungsprozess verkürzen helfen. Auch Schäden, die durch nicht artgerechte Haltung entstanden sind, können die Bach - Blüten nicht kompensieren.

Bei den Bach-Blüten handelt es sich um Aufbereitung der wässrigen Auszüge von 37 verschiedenen Blüten wild wachsender Pflanzen und Bäume und der Essenz Rock Water aus einem bestimmten Quellwasser als 38.Substanz. Die in den Pflanzen konzentrierten positiven Schwingungen werden auf Quellwasser übertragen, mit Alkohol konserviert und als Konzentrate in Vorratsflaschen abgefüllt.

Das System der 38 Blüten umfasst nach Dr. Bach alle grundsätzlichen negativen Seelenzustände des menschlichen Charakters und ist in sich geschlossen. Neben den 38 Essenzen gibt es noch für den Notfall die "Rescue - Tropfen" , eine Kombination von 5 Bach - Blütenkonzentraten, die zusammenwirken und mit ihren energetischen Kräfte eine seelische Erste Hilfe sein können.

Die in der Apotheke erhältlichen Bach - Blütenkonzentrate sollen von der Anwendung beim Menschen erst mit stillem Wasser verdünnt werden. Bei den Vögeln haben sich zwei Arten der Verabreichung bewährt:

1. Geben Sie einen oder zwei Tropfen des Konzentrats direkt ins Trinkwasser
2. Da einige Vögel sehr wenig oder überhaupt nichts trinken, können Sie die Bach - Blüten auch verdünnt (ein Tropfen auf 1ml stilles Wasser) auf den Kopf oder die Haut unter den Flügeln tupfen. Das ist für die Rescue - Tropfen meinst die beste Anwendungsmethode.

Bach - Blüten

Die folgenden 38 Bach - Blüten erhalten Sie Du in der Apotheke und einigen naturheilkundlich orientierten Tierärzten. Sie sind frei verkäuflich und als Konzentrat in 10ml-Vorratsflaschen (= Stockbottles ), die Rescue- Tropfen auch in 20ml Fläschchen abgefüllt erhältlich. Die einzelnen Blüten heißen :

Bachblüten Deutscher Name
Agrimony Odermenning
Aspen Zitterpappel
Beech Rotbuche
Centaury Tausendgüldenkraut
Cerato Bleiwurz
Cherry Plum Kirschpflaume
Chestnut Bud Rostkastanie, Knospe
Chicory Wegwarte
Clematis Weiße Waldrebe
Crab Apple Holzapfel
Elm Ulme
Gentian Herbstenzian
Gorse Stechginster
Heather Schottisches Heidekraut
Holly Stechpalme
Honeysuckle Jelängerjelieber oder Geißblatt
Hornbeam Weißbuche
Impatiens Drüsiges Springkraut
Larch Lärche
Mimulus Gefleckte Gauklerblume
Mustard Wilder Senf
Oak Eiche
Olive Olive
Pine Schottischer Kiefer
Red Chestnut Rote Kastanie
Rock Rose Gelbes Sonnenröschen
Rock Water spezielles Quellwasser aus einer Felsquelle
Scleranthus Einjähriger Knäuel
Star of Bethlehem Doldiger Milchstern
Sweet Chestnut Edelkastanie
Vervain Eisenkraut
Vine Weinrebe
Walnut Walnuss
Water Violt Sumpf - Wasserfeder
White Chestnut Weiße Kastanie
Wild Oat Waldrespe
Wild Rose Heckenrose
Willow Gelbe Weide

Außerdem gibt es noch die Rescue Tropfen mit den Bestandteilen, Cherry Plum, Clematis, Impatiens, Rock Rose, Star of Bethlehem.

Weitere empfohlene Mittel

Name: Arnica - Tinktur (Plantavet)
Inhaltsstoffe: Tinctura Arnicae
Anwendung: stumpfe Verletzungen wie Quetschungen, Verstauchungen, Blutergüsse, Ohrenentzündungen

Name: Catosal (Bayer)
Inhaltsstoffe: Bufafosfan, Cyanocobalamin, Mythyl- 4- hydroxybenzoat, Phosphor
Anwendung: Stoffwechselstörungen, Entwicklung - und Ernährungsstörungen der Jungtiere; bei Überanstrengungen und Erschöpfung.

Name: Exner Petguard (Exner)
Inhaltsstoffe: Wasser, Fett, Molkeeiweiß, Zucker - Monohydrat, Asche
Anwendung: ökologische Pflegemittel bei Ungezieferbefall, Hautpflege.

Name: Hepsan - Sirup (Minden)
Inhaltsstoffe: N - Acetyl - DL - menthionin, Cholinsalz, Riboflavin, Nicotinamid, Cyanocobalamin,
Anwendung: chronische, subakute, leicht akute Leberentzündung, Fettleber, Leberzirrhose, Leberschutz

Name: Korvimin ZVT (WDT)
Inhaltsstoffe: Dicalciumphosphat, Calciumcarbonat, Molkenpulver, Hefe, Natriumchlorid, Vitamin A,D3, E, C, B1, B2, B6, B12, Calcium - D- Pantothenat, Nicotinsäure, Folsäure, Biotin, Vitamin K, Eisen, Mangan, Zink, Kupfer;Kobalt, Jod, Molybdän. Selen und Aminosäuren
Anwendung: Ergänzung des Futters; Vitamin -, Mineralstoffe - und Spurenelementmangelerscheinungen; Mauser, Stresssituationen, Wachstum, Brutzeit

Name: Lebertran - Zink - Salbe ( Alvetra)
Inhaltsstoffe: Lebertran, Zinkoxid
Anwendung: zur Unterstützung der Heilung bei Ekzemen, schlecht heilenden Wunden, Brandwunden.

Name: Plastisan ( Alvetra )
Inhaltsstoffe: Eisen (III)- Glycerophosphat, Glycerinphoshporsäure Calcium - Magnesium,-Natrium Methanarsonsäure, Dinatrium, Mangan (II) - Chlorid
Anwendung: Mangelkrankheiten, Anämie

Name: Tricrescovit (Rhone Merieux)
Inhaltsstoffe: VitaminA,B1,B2, B6, B12, Pentothensäures - Natrium, Nicotinamid, Colecalciferol - Cholesterin, Vitamine -E-acetat, Leberextrakt
Anwendung: Multivitamin -Präparat,Vitamin -B -Mangel, Stoffwechselstörungen, Leberschädigungen; während der Mauser.

Tipps und Hinweise

Auf keinen Fall darf der Sittich Kamillentee oder ähnliches bekommen.

Besonders kleinere und geschwächte Vögel können sich alleine dadurch, dass sie zur Untersuchung gefangen, in die Hand genommen und behandelt werden, so aufregen, dass sie an einem Schock sterben.

Leitern und Schaukeln fördern die Bewegung und beugen einer Verfettung Ihrer Vögel vor.

Waagerechte, verzinkte Metallstangen im Käfig sorgen für eine gute Durchsicht und sind eine gute Kletterhilfe für Ihren Vogel!

Säuberen Sie jeden Morgen Trink- und Futtergefäße mit lauwarmen Wasser und bieten Sie stets frisches Futter an.

Wellensittiche sind Gesellschaftstiere. Um sich sicher fühlen zu können, brauchen sie die Schar. So gesehen verbietet sich Einzelhaltung von allein.

Die Nestlingszeit bei Wellensittichen dauert bis zu 32 Tagen.

Temperaturen unter 0° C überstehen Wellensittiche, weil sie sich in ihrer Schar nachts dicht aneinander kuscheln.