
6. Erkrankung der Extremitäten und des Nervensystems
Flügel, Ständer und Füße des Vogels sind bei Freiflügen vielen Gefahren ausgesetzt. Das sollte Sie aber nicht daran hindern, Ihre Vögel frei fliegen zu lassen, denn der Freiflug ist für die Gesundhaltung der Käfigvögel ein Muss. Bewegungsmangel ist Auslöser für eine ganze Reihe von Erkrankungen.
a) Verletzungen der Flügel
Dazu zählen neben Verstauchungen (Distrosion) und Ausrenkungen (Luxation) auch Knochenbrüche (Frakturen) am Flügel.
Krankheitsbild
Der Vogel kann plötzlich nicht mehr fliegen. Ein Flügel hängt herab oder wird leicht abgespreizt. In anderen Fällen überkreuzen sich die Flügelspitzen leicht. Der betroffene Flügel kann nicht mehr richtig bewegt werden. Beim Abtasten ist häufig ein Knarren (Krepitation) zwischen den Bruchstellen fühlbar. Der Vogel sitzt ruhig und leicht aufgeplustert auf der Stange, seine Atmung geht etwas heftiger. Ein hängender Flügel deutet auf einen Bruch der äußeren Knochen (Elle und Speiche) hin, während ein abgespreizter Flügel oder überkreuzte Flügelspitzen Zeichen für einen Bruch um Schulterbereich sind. Verstauchungen zeigen sich durch leichte Lähmungserscheinungen, Ausrenkungen durch eine Flügelfehlstellung. Häufig sind auch starke Blutergüsse auf der Flügelunterseite entstanden. Wichtig: Es gibt Brüche der Flügelknochen, die sich nicht durch eine Flügelfehlstellung anzeigen!!
Ursachen
Ein Bruch der Flügel - oder Schulterknochen ist im allgemeinen unfallbedingt, ebenso Verstauchungen und Verrenkungen. Der Vogel ist beim Freiflug erschreckt worden und panikartig gegen eine Fensterscheibe oder harte Kante geflogen
Auch wenn der Vogel mit dem Flügel an einer hervorstehenden Ecke etc. oder zwischen Käfigstangen hängen bleibt, kann er sich verletzten. Eine heftige Streiterei mit Artgenossen kann ebenfalls die Ursache sein. Während der Mauser ist die Gefahr einer Fraktur durch den Kalzium - Abbau besonders groß.
Selbstmaßnahmen
Bei der Untersuchung ist größte Vorsicht geboten, damit einfache Brüche oder nur angebrochene Knochen unter den Abwehrbewegungen des Vogels nicht zu komplizierten Brüchen werden. Bei offenen Brüchen oder Blutungen muss als erste Maßnahme sofort mit einer 5%igen Wasserstoffsuperoxid - Lösung die Blutung gestillt werden.
Stellen Sie den verletzten Flügel ruhig: Besteifen Sie Ober- und Unterseite des Flügels an der Bruchstelle oder das verstauchte oder ausgerenkte Gelenk dick mit Traumeel-Salbe. Dann bringen Sie den Flügel in die richtige Lage - die Bruchenden müssen genau voreinander sitzen - und fixieren den verletzten und den gesunden Flügel mit einer Mullbinde nicht zu fest am Körper. Dieser Verband hat den Vorteil, dass er sehr leicht wieder entfernt werden kann. Dazu schneiden Sie den Verband mit einer Schere aus dem Flügelkleid heraus.
Geschlossene einfache Flügelbrüche heilen normalerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen sehr gut. Bei einer Verstauchung reicht im Allgemeinen eine Ruhigstellung von einer Woche aus. Damit sich Papageien die Schienung nicht in kürzester Zeit wieder abreißen, ist es wahrscheinlich nötig, ihnen zusätzlich eine Halskrause anzulegen. Die Halskrause können Sie aus Schaumstoff basteln: Material in passender Größe zuschneiden und dem Vogel locker um den Hals anlegen. Nicht zu eng, da es ihn sonst beim Fressen oder Atmen behindert.
Da der Vogel mit den verbundenen Flügeln das Gleichgewicht schwer halten kann, ist es besser, ihn in den ersten Tagen im Käfig die Stangen zu entfernen oder nur flach über dem Boden anzubringen, um ein Abstürzen zu vermeiden. Bei Papageien ist dies nicht nötig, da sie sich mit dem Schnabel gut festhalten können.
Wann zum Therapeuten?
Bei Verdacht auf Brüche oder Verrenkungen sollten Sie immer den Tierarzt aufsuchen. Legen Sie dazu den Vogel nach der Schockbehandlung in ein weich gepolstertes, geräumiges und dunkles Behältnis.
Welche Therapiemaßnahmen?
Der Tierarzt kann mit Hilfe von Röntgenaufnahmen besser beurteilen, ob und welche Brüche vorliegen und die Bruchenden richtig ausrichten oder ausgerenkte Gelenke in die richtige Lage bringen. Das Risiko, dass ein Vogel nach einer Flügelfraktur oder einer Luxation nicht mehr richtig fliegen kann, ist groß. Unumgänglich ist der Besuch beim Veterinär bei komplizierten und offenen Brüchen sowie bei Frakturen in Gelenknähe oder bei Luxationen, da hier Komplikationen auftreten können. Oft ist eine operatives Vorgehen nötig. Zur Förderung der Heilung kann der Tierarzt Ihrem Vogel eventuell auch Magnetfeldtherapie verordnen.
Vor - und Nachsorge
Nach einer solchen Flugverletzung muss der Vogel erst mal langsam wieder das Fliegen üben. Geben Sie ihm die Gelegenheit, dies ohne großes Verletzungsrisiko zu tun.
b) Verletzungen am Bein
Dazu gehören Brüche (Frakturen) Verstauchungen (Distorsionen) und Ausrenkungen (Luxationen). Diese Verletzungen kommen an den Beinen häufig vor.
Krankheitsbild
Der Vogel belastet das kranke Bein nicht mehr. Es kann schlaff baumelnd herunterhängen oder angezogen werden. Manchmal schwillt es auch an. Im Falle eines kompletten Durchbruchs sind die Bruchenden und ihre Beweglichkeit gegeneinander deutlich zu ertasten. Bei einem offenen Bruch ragen aus der Wunde die Knochen hervor. Bei einer Schwellung an nur einem Gelenk ohne fühlbaren Bruch spricht man von einer Verstauchung. Wenn die Gliedmaße in unnormaler Stellung abstehen, ist an eine Ausrenkung zu denken.
Ursachen
Solche Verletzungen entstehen meist beim Freiflug z.B. an Türen oder Schubladen, die schnell zugeschlagen werden, ohne den darauf sitzenden Vogel zu bemerken oder durch unbeabsichtigtes Treten des Tieres. Wenn ein Vogel mit den Füßen in der Gardine, an Gitterstäben oder Spielzeug hängen bleibt, entsteht leicht eine Distorsion oder Luxation. Beringte Vögel sind dabei besonders gefährdet. Wenn sich solch ein Ring im Draht des Käfigs verfängt, zieht der Vogel in Panik den Fuß weg und bricht sich den Laufknochen oder renkt sich das Bein aus.
Selbstmaßnahmen
Ist der Laufknochen gebrochen, so muss er mit geeignetem Material geschient werden. Je nach Größe des Vogels eigenen sich dafür aufgeschnittene Strohhalme, Spritzen oder andere Hülsen. Zehenfrakturen werden vorsichtig über mehrere Tage dick mit Traumeel - Salbe bestrichen. Besonders bei kleinen Vögeln heilen sie oft ohne weitere Maßnahmen.
Wann zum Therapeuten?
Nach erfolgter Schockbehandlung sollten Sie den Vogel in einem weich gepolsterten, geräumigen und dunklen Behältnis zur Behandlung zu einem Tierarzt bringen. Dies vor allem dann, wenn es sich um offenen oder komplizierte Brüche handelt. Es kommt auch auf die Vogelart an. Bei Papageien ist oft eine chirurgische Maßnahme erforderlich. Auch Frakturen im muskulären Bereich von Unter- und Oberschenkel sind schwer zu richten und müssen in speziellen Techniken hochgebunden werden. Vielleicht empfiehlt der Tierarzt auch eine Magnetfeldtherapie.
Vor - und Nachsorge
Achten Sie darauf, dass der Vogel mit seinem Ring nicht hängen bleiben kann. Er darf werde zu locker noch zu fest sitzen.
c) Gelenkenzündungen
Krankheitsbild
Der Vogel schont die betroffenen Gliedmaßen, indem er nicht mehr fliegt oder das Bein hochzieht bzw. nur ganz vorsichtig aufsetzt. Mit aufgeplustertem Gefieder und meist auf dem Boden sitzend, zeigt der Vogel deutlich, dass es ihm nicht gut geht. Das Abtasten der betroffenen Gelenke (Beine, Zehen, Flügel) ist sehr schmerzhaft für das Tier. Die Gelenke sind verdickt, gerötet und fühlen sich auch wärmer als normal an. Der Vogel kann oft auch mit den Zehen keine Sitzstange mehr umgreifen. Papageien halten sich mit ihrem Schnabel am Gitter fest, um nicht von der Stange zu fallen. Einige Vögel bepicken entzündete Gelenke.
Ursachen
Es handelt sich um eine Gelenkentzündung, die verschiedene Ursachen haben kann. Traumatische Gelenkentzündungen sind meist durch Stöße, Quetschungen, Zerrungen oder Verstauchungen hervorgerufen. Die Umgebung ist oft mit geschädigt. Aber nur einzelnen Gelenke sind betroffen. Für bakteriell bedingte Gelenkentzündungen können Staphylokokken, Streptokokken, Salmonellen und andere Erreger verantwortlich sein. Alle Gelenke sind betroffen. Für eine bakterielle Infektion spricht, wenn die Gelenke heiß sind und das Allgemeinbefinden erheblich gestört ist. Zu den durch Stoffwechselstörungen bedingten Gelenkerkrankungen zähen die Gicht und die Rachitis (Knochenweiche). Die Rachitis (auch die Osteomalazie) wird durch einen absoluten Mangel an Kalzium sowie anderen Mineralien und/ oder den Vitaminen D3 und B in der Wachstumsphase verursacht. Eine reine Körnerfütterung führt bei Jungtieren sehr schnell zu Rachitis. Zu den Schwellung der Gelenke kommt bald eine Erweichung des Schnabels und der Krallen hinzu und dann eine deutliche Verformung der langen Knochen und der Wirbelsäule. Manchmal brechen spontan Knochen. Ein ähnliches Krankheitsbild kann bei erwachsenen Vögeln durch einseitige Ernährung entstehen (Osteomalazie), besonders, wenn sie Eier legen.
Selbstmaßnahmen
Ist das Gelenk eines Flügels betroffen, so wird der Flügel ruhig gestellt, nachdem das Gelenk zuvor dick mit Traumeel - Salbe bestrichen wurde. Lassen Sie den Verband eine Woche am Vogel. An den Beinen sollten Sie auf eine Schienung verzichten. Reiben Sie das Gelenk täglich über eine Woche mit Traumeel- und Zeel -Salbe ein. Zusätzlich zu der unbedingt notwendigen tierärztlichen Behandlung können die Gelenke mit dem Traumeel- und Zeel - Salbe bestrichen werden.
Zur Behandlung der Gicht
Achten Sie darauf, dass das Krankheitslager ruhig, warm und trocken ist. Die angeschwollenen Gelenke können Sie mit Traumeel - und Zeel - Salbe einreiben.
Wichtig: Bei Rachitis ist von besonderer Bedeutung, die Erkrankung früh zu erkennen, weil sonst bei schweren Veränderungen am gesamten Knochensystem nur noch das Einschläfern des Vogels bleibt.
Korrigieren Sie die Fütterung, indem Sie eine vielseitige und artgerechte Kost anbieten.
Wann zum Therapeuten?
Bei Verdacht auf bakteriell bedingte Gelenkentzündungen sollten Sie unbedingt zum Tierarzt gehen, um abzuklären, welche Erreger dahinter stecken, (Seuchen- und Zoonose- Gefahr), um eine entsprechende Therapie einzuleiten. Sind durch die Rachitis bereits Knochenverformungen entstanden, sollte der Tierarzt entscheiden, ob das Tier noch zu retten ist.
Vor - und Nachsorge
Versuchen Sie soweit wie möglich Unfälle und Rangkämpfe zu verhindern. Stärken Sie durch artgerechte Haltung und vollwertige Ernährung die Abwehrkräfte des Vogels. Gewähren Sie ihm ausreichend Sonnenlicht ohne die UV- filternden Glasscheiben. Sie können die Entstehung von Rachitis und Osteomalaie verhindern, wenn Sie darauf achten, dass das Futter ausreichend Grünzeug und gekochte Eier, - Muschel - oder Schneckenschalen enthält. Über mehrere Wochen sollten zusätzlich Mineralstoffe und Vitamine zugesetzt werden. Achten Sie dabei besonders auf Kalzium sowie die Vitamine D3 und B. Eine ausgewogene Mineral - und Vitaminmischung ist Korvimin ZVT. Das pulverförmige Ergänzungsmittel muss aber unbedingt zusammen mit dem Weichfutter verabreicht werden, da es an den Körnern nicht ausreichend haftet. Das Risiko, an Rachitis zu erkranken, ist vor allem bei handaufgezogenen Vögeln besonders groß.
Wichtig: Geben Sie nicht zuviel an zusätzlichen Vitaminen, denn auch eine Überdosis kann Krankheiten hervorrufen!!!
d) Fußballengeschwüre
Krankheitsbild
Der Vogel setzt einen Fuß nicht mehr auf. Der oder die Ballen sind gerötet, schmerzhaft und geschwollen, manchmal ist in der Mitte ein schorfiges Geschwulst. Eventuell sind auch das darüber liegende Gelenk und das Bein schon mit betroffen und geschwollen.
Ursachen
Es besteht ein Fußballengeschwür. Ungeeignete und unsaubere Sitzstangen, ständiger Druck an den gleichen Stellen, zuwenig Bewegung. Übergewicht und falsche Ernährung führen zu wunden Füßen, aus denen bei Nichtbehandlung allmählich Druckgeschwüre und (durch Infektionen) schwere, tiefere Entzündungen entstehen. Möglicherweise kann bei Weichfressern auch eine übermäßige Fütterung von Mehlwürmern Auslöser des Geschwürs sein.
Wichtig: Verwenden Sie niemals Sandpapierhüllen auf den Sitzstangen! Dadurch reiben sich die Vögel die empfindlichen Fußballen schnell wund!
Selbstmaßnahmen
Ersetzen Sie alte Sitzstangen durch Holzstangen mit unterschiedlichem Durchmesser, die Sie noch abpolstern (z.B. mit Tessamoll). Ersetzten Sie alten Bodenbelag durch einen weichen sauberen Belag. Am besten sind jedoch Sitzgelegenheiten aus Zweigen ungiftiger Sträucher und Bäume. Sorgen Sie für Freiflugmöglichkeiten sowie für eine ausgewogene, artgerechte Ernährung mit Vitamin- A- Zusätzen. Baden Sie den Fuß in warmen Wasser, dem Sie einige Tropfen Teebaumöl zugefügt haben und säubern ihn vorsichtig von anhaftendem Schmutz und Krusten. Dann pinseln Sie den Ballen mit Jodglycerin 1:2 oder mit Teebaumöl ein. Anschließend reiben Sie den erkrankten Fuß dick mit Traumeel - Salbe ein. Wiederholen Sie dies zwei- bis dreimal täglich.
Bei größeren Vögeln können Sie auch versuchen, einen Mulltupfer mit Salbe zu bestreichen und dann mit einem kleinen Verband am Fuß zu befestigen. Diese Prozedur ist bis zur vollständigen Heilung zu wiederholen.
Wann zum Therapeuten?
Ist das Geschwür vereitert oder hat sich Abzeß gebildet, sollte der Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Vor - und Nachsorge
Das Wichtigste ist, die Entstehung durch bessere, möglichst natürliche und saubere Sitzstangen und genügend Bewegung sowie artgerechtes Futter zu verhindern. Wichtig sind auch Sitzstangen, die beim Anflug nachgeben. Verwenden Sie kein Sandpapier auf Sitzstangen!! Sollten Sie dennoch einmal Rötungen oder wunde Füße bemerken, sind diese sofort mit Jodglycerin zu bepinseln und anschließend mit Zink - Lebertran - Salbe zu bestreichen. Gleichzeitig wird bis zur Abheilung täglich je ein Tropfen von Traumeel und Cutis compositum eingegeben.
e) Hyperkeratose
Krankheitsbild
An den Beinen und Zehen sind dicke, große Hornschuppen zu sehen, die die Ständer schienenartig umschließen und den Vogel erheblich behindern. Durch den Druck der Auflagerungen entstehen Durchblutungsstörungen. Die Füße können stark anschwellen und werden nicht belastet.
Ursachen
Vermutlich sind fehlende Abnutzungsmöglichkeiten bei Vögeln in Gefangenschaft, Stoffwechselstörungen sowie erhebliche Verlagerungen die Ursachen für die Schuppenbildung. Die Hyperkeratose ist zu unterscheiden von Kalkbeinen, eine durch Milben verursachte Hautveränderungen.
Selbstmaßnahmen
Bepinseln Sie die Auflagerung mit Jodglycerin 1:5 und versuchen Sie dann, die Hornschuppen vorsichtig abzuheben. Anschließend werden die Beine bis zur Heilung täglich mit Zink - Lebertran- Salbe eingerieben. Eventuell vorhandene Fußringe müssen vor der Behandlung abgenommen werden.
f) Krallendeformationen
Krankheitsbild
Die Krallen haben ihre natürliche Form verloren und wachsen wie Korkenzieher aufgedreht, abgewickelt oder stark zusammengekrümmt. Der Vogel bleibt dabei leicht hängen und reißt sie sich aus.
Ursachen
Krallendeformationen können entstehen durch Verletzungen, Entzündungen oder Räude - und Pilzerkrankungen des Nagelbettes, durch mangelnde Krallenpflege sowie durch fehlende Abnutzung infolge von Bewegungsmangel.
Selbstmaßnahmen
Kürzen Sie die Krallen etwa 2mm vor der Krallenmarkspitze. Eventuell auftretende Blutungen müssen sofort mit Eisenchlorid gestoppt werden. Wenn eine abgerissene Kralle nicht sofort versorgt wird, kann der Vogel verbluten. Behandeln Sie das Krallenbett täglich mit Jodglycerin 1:2.
Wann zum Therapeuten?
Wenn Sie sich nicht sicher sind, an welcher Stelle sich die deformierten Krallen abgeschnitten werden können, fragen Sie lieber einen Tierarzt.
Vor - und Nachsorge
Mit regelmäßiger Krallenpflege können Sie Verformungen vorbeugen.
g) Gangrän
Krankheitsbild
Die Krallen werden schwarz und fallen ab. Der Prozess schreitet zehen- und beinwärts fort. Zwischen gesundem und schwarzem Gewebe entsteht eine entzündete Zone. Die so veränderte Gliedmaße wird von Vogel heftig bepickt.
Ursachen
Auslöser für das Schwarzwerden können schwere Verbrennungen und Erfrierungen sein. Auch Verletzungen, Abschnürungen durch Faser oder zu eng sitzende Ringe können verantwortlich sein. Vergiftungen durch Pilzinfektionen oder Mutterkorn können ebenfalls dazu führen.
Wichtig: Selbstmaßnahmen sind nicht Empfehlenswert !!!
Wann zum Therapeuten?
Mit einer Gangränebildung sollten Sie möglichst schnell zu einem Tierarzt gehen!!! Er muss entscheiden, ob Teile des Fußes amputiert werden müssen.
Vor - und Nachsorge
Vermeiden Sie möglichst Verletzungen und Abschnürungen der Zehen, die zum Absterben derselben führen können.
h) Lahmheiten und Lähmungen des äußeren Nervensystems
Lähmungserscheinungen bis hin zu einer vollständigen Lähmung entwickeln sich meist über einen längeren Zeitraum.
Krankheitsbild
Der Vogel steht anfangs etwas unsicher auf den Beinen. Bald kann er sich nicht mehr auf der Stange halten und hockt nur noch am Boden. Sind beide Beine betroffen, liegt er nur noch am Boden. Papageien halten sich mit dem Schnabel am Käfiggitter fest, um nicht umzufallen.
Äußerlich erscheinen die Extremitäten unverändert. Durch Druck auf die Fußballen können Sie den Klammerreflex, eine unwillkürlich ablaufende Muskelkontraktion der Zehen, testen. Bei der Lahmheit ist er verzögert, bei der Lähmung nicht mehr vorhanden. Häufig bestehen gleichzeitig Gleichgewichtsstörungen. Sind die Flügel betroffen, können sie nicht mehr benutzt werden.
Ursachen
Lähmungserscheinungen einzelner Gliedmaßen können die Folge von Frakturen, Gelenk - und Muskelgelenksentzündungen oder Blutergüssen sein. Die jeweiligen Nerven sind durch die Zerrungen oder Prellungen geschädigt, in schweren Fällen auch durchgerissen.
Auch Tumore können die Ursache für Lähmungserscheinungen sein.
Selbstmaßnahmen
Wenn der Vogel nicht mehr stehen kann, sollten Sie mit einer dicken Zellstofflage den Käfigboden weich polstern. Falls er Nahrung nicht selbständig aufnehmen will oder kann, müssen Sie ihn per Hand Futter und Wasser eingeben. Dem Wasser sollten Sie vor allem die Vitamine des B- Komplexes zusetzen.
Wichtig: Die Behandlung von Lähmungen erfordert viel Geduld. Manchmal gibt es erst nach vielen Wochen eine Besserung oder Heilung.
Wann zum Therapeuten?
Um den Grund der Lähmung abzuklären und entsprechend handeln zu können, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen.
Vor - und Nachsorge
Durch eine vielseitige und artgerechte Ernährung können Sie Mangelschäden vorbeugen, die zu Lähmungen führen.
i) Lähmungen und Krämpfe im zentralen Nervensystem
Krankheitsbild
Erkrankungen des zentralen Nervensystems können sich in sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern äußern:
Der Vogel liegt völlig benommen auf dem Boden.
Der Vogel bekommt von Zeit zu Zeit heftige Krampfanfälle mit Zuckungen des Körpers.
Der Vogel dreht zwanghaft den Kopf nach oben.
Ursachen
Die Erkrankungen des zentralen Nervensystems betreffen Gehirn und Rückenmark. Ursache dafür kann eine Gehirnerschütterung durch einen Aufprall an Fenster oder Käfiggitter sein. Dabei kann sich der Vogel aber auch einen Schädelbruch oder Quetschungen des Gehirns oder Rückenmarks zugezogen haben.
Weitere mögliche Auslöser sind Vergiftungen (metallische Gifte sind besonders gefährlich für Vögel), Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen, Mangel an Vitaminen des B- Komplexes und Vitamin E, Tumore und Durchblutungsstörungen.
Selbstmaßnahmen
Wenn Sie wissen, dass ein Unfall vorausgegangen ist, bewegen Sie den Vogel nicht unnötig. Legen Sie ihn in ruhiger, warmer und leicht abgedunkelter Umgebung auf ein Tuch. Gleiches sollte bei einem Krampfanfall geschehen.
Wann zum Therapeuten?
Bei Verdacht auf eine infektiös bedingte Erkrankung sollten Sie auf jeden Fall unbedingt den Tierarzt aufsuchen. Das gleiche gilt für alle Störungen, deren Ursache Sie sich nicht erklären können.
Vor - und Nachsorge
Versuchen Sie Unfälle beim Freiflug gegen Fensterscheiben zu vermeiden, indem Sie Gardinen vor die Fenster hängen und dafür sorgen, dass der Vogel sich während des Freifluges nicht erschrecken kann. Passen Sie auf, dass der Vogel keine giftigen Materialien aufnehmen kann. Auch das Blei in Bleischnüren der Gardinen ist hochgiftig.
Rassedispositionen
Alle Vogelarten können sich Erkrankungen des äußeren und des zentralen Nervensystems zuziehen.
Verwenden Sie niemals Sandpapierhüllen auf den Sitzstangen! Dadurch reiben sich die Vögel die empfindlichen Fußballen schnell wund!
Krallendeformationen können entstehen durch Verletzungen, Entzündungen oder Räude - und Pilzerkrankungen des Nagelbettes, durch mangelnde Krallenpflege sowie durch fehlende Abnutzung infolge von Bewegungsmangel.
Versuchen Sie soweit wie möglich Unfälle und Rangkämpfe zu verhindern. Stärken Sie durch artgerechte Haltung und vollwertige Ernährung die Abwehrkräfte des Vogels. Gewähren Sie ihm ausreichend Sonnenlicht ohne die UV- filternden Glasscheiben.
Falls das Brutgeschehen Ihrer Vögel in einer Voliere stattfindet, sollten Sie darauf achten, dass keine Ratten oder Katzen (oder Menschen) das Brutpaar stören. Falls noch andere Vögel in der Voliere sind, sollten Sie diese für die Dauer der Brut in einen anderen Käfig setzten.
Wärme ist das wichtigste Heilmittel.
Bevor Sie Ihren Vogel frei fliegen lassen, sollten Sie die Umgebung genauestens auf Verletzungsgefahren hin überprüfen!!
Verklebte, teilweise blutverschmierte Federn sind Anzeichen für eine Verletzung der Haut.
Schon bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens besteht Handlungsbedarf!!
Nach einem schweren Trauma, etwa einem Aufprall gegen eine Spiegel - oder Fensterscheibe, muss immer mit der Glaskörperblutung gerechnet werden, besonders wenn der Vogel benommen ist!
Da der Schnabel schnell wächst, muss er regelmäßig gekürzt werden (bei Wellensittichen alle vier Wochen), sonst können die Tiere nicht mehr richtig fressen, sich nicht pflegen und sich Verletzungen zufügen.
Nicht zu empfehlen ist das Kürzen mit einer Zange, da der Schnabel splittern kann.
Die Atemfrequenz beträgt 80-100 Atemzüge pro Minute.
Vermeiden Sie Erdnüsse mit Schalen, da diese oft Aspergillus- Pilzsporen enthalten.
Geben Sie Ihrem Papagei keinesfalls nur Sonnenblumenkerne! Diese sind sehr fetthaltig und führen schnell zu Mangelsituationen.
Zugeflogene Wellensittiche werden in Deutschland als Fundsache behandelt, das heißt, sie sind immer noch Eigentum des ursprünglichen Besitzers. Da in Deutschland alle Sittiche amtliche Ringe tragen müssen, kann über den Züchter eventuell der ursprünglichen Besitzer ausfindig gemacht werden.
Bitte verfütteren Sie auf keinen Fall folgende Frischkost:
Avocado (zu fettig und in Kernnähe giftig für Vögel), frische Datteln (zu viele Gerbstoffe), Grapefruit, Pampelmuse, Pomelo (zu säurehaltig und bitter), Kumquat (zu säurehaltig), Passionsfrucht (fast alle Arten enthalten zu viel Säure), unreife Kaki beziehungsweise Sharon (zu viele Gerbstoffe), Zitrone (viel zu säurehaltig)
Wellensittiche haben drei Augenlider. Das obere, das untere und ein seitliches Augenlid das bei Bedarf quer über das Auge verläuft, um es zu schützen.
Wellensittiche sind warmblütige Tiere. Die normale Körpertemperatur beläuft sich auf etwa 41 Grad Celsius, und ist somit höher als bei anderen Haustieren wie Hund oder Katze.
Mangel an Vitamin A entsteht durch ausschließliche Körnerfutterung.
Mangel an Vitamin D³ entsteht durch zu wenig direktes Sonnenlicht (Fensterscheiben absorbieren UV-Strahlung).
Leitern und Schaukeln fördern die Bewegung und beugen einer Verfettung Ihrer Vögel vor.
Waagerechte, verzinkte Metallstangen im Käfig sorgen für eine gute Durchsicht und sind eine gute Kletterhilfe für Ihren Vogel!
Säuberen Sie jeden Morgen Trink- und Futtergefäße mit lauwarmen Wasser und bieten Sie stets frisches Futter an.
Wellensittiche sind Gesellschaftstiere. Um sich sicher fühlen zu können, brauchen sie die Schar. So gesehen verbietet sich Einzelhaltung von allein.
Die Nestlingszeit bei Wellensittichen dauert bis zu 32 Tagen.
Temperaturen unter 0° C überstehen Wellensittiche, weil sie sich in ihrer Schar nachts dicht aneinander kuscheln.