Erkrankung der Verdauungsorgane

1. Krankheiten des Wellensittichs und seine Behandlung
2. Erkrankung an Kopf und Sinnesorgane
3. Erkrankung der Atmungs- - und Kreislauforgane
4. Erkrankung der Verdauungsorgane
5. Erkrankung der Harn - und Geschlechtsorgane
6. Erkrankungen an Federn und Haut
7. Erkrankung der Extremitäten und des Nervensystems
8. Verhaltensstörungen
9. Notfälle

3. Erkrankung der Verdauungsorganen

Das Verdauungssystem der Vögel besteht aus Schnabelhöhle, Speiseröhre, Kropf, Drüsen- und Muskelmagen, sowie den Därmen. Allerdings sind die einzelnen Organe - je nach Vogelgruppe (Papageien, Körnerfresser oder Weichfresser) - unterschiedlich groß oder kräftig ausgebildet, denn das Verdauungssystem muss sehr gegensätzliche Nahrung bewältigen.

Die aufgenommene Nahrung wird in den meisten Fällen unzerkleinert hinuntergeschluckt und gelangt als erste Station in den Kropf. Dieser stellt bei den meisten Vögeln eine einfache, schlauchförmige Erweiterung oder Ausbuchtung der Speiseröhre dar. Er dient als Speicherorgan. Hier findet aber auch schon mit Hilfe des Speichels eine Erweichung und eine Art Verdauung des Futters statt. Da dies vor allem bei harten Sämereien von Vorteil ist, besitzen gerade Körnerfresser wie Kanarienvögel und Wellensittiche einen relativ großen Kropf.

Aus dem Kropf gelangt die Nahrung zuerst in den Drüsenmagen und dann in den Muskelmagen. Im Allgemeinen gilt, dass im Drüsenmagen die Nahrung chemisch aufgeschlossen und im Muskelmagen durch kräftiges Kneten mechanisch zerkleinert wird. Letzterer ist bei den körner- und pflanzenfressenden Arten sehr muskulös und innen mit einer festen Hornhaut versehen. Er zermahlt durch asymmetrische Kontraktionen der Muskulatur, oft noch unterstützt von einer harten Reibeplatte und aufgenommenem Grit das Futter. Bei fleischfressenden Arten spielt der Magensaft eine größere Rolle für die Verdauung, bei vielen Obstfressern ist der Muskelmagen unbedeutend.

Bei manchen Vogelarten, z.B. einigen Wasservögeln, gibt es eine dritte Magenabteilung. Den anschließenden Darm passiert der Nahrungsbrei relativ rasch. Der Darm endet in der Kloake, in die auch die Harnleiter sowie die Geschlechtsorgane (Samenleiter, Eileiter) münden. Die Ausscheidungen bestehen bei Vögeln normalerweise aus zwei Bestandteilen, der weißen, cremigen Harnsäure und der dunkelbraun - grünen Faeces, dem eigentlichen Kot. Die normale Faece ist bei den Weichfressern eher breiig und von feuchter Konsistenz.

Der Stoffwechsel bei Vögeln ist höher als bei Säugetieren. Da die aufgenommene Nahrung schnell verdaut wird, müssen Vögel häufig fressen. Kleinere Vogelarten überleben bereits kurze Zeiten ohne Nahrungsaufnahme nicht. Deshalb müssen Sie sofort reagieren, wenn Sie merken, dass bei Ihren Vögeln eine Erkrankung im Verdauungstrakt vorliegen könnte.

a) Entzündungen der Schnabelhöhle

Die Schnabelhöhle ist oft von Entzündungen betroffen. Es ist daher wichtig, bei Untersuchungen des Vogels auch auf Veränderungen in der Schnabelhöhle zu achten.

Krankheitsbild

Der Vogel nimmt freiwillig keine Nahrung auf. Er kann dadurch schnell verhungern. Neben Rötungen und Entzündungen findet man manchmal auch weißliche oder gelbliche Beläge im Rachenraum. Auch die Zunge kann verletzt sein.

Ursachen

Rötungen und Entzündungen der Schnabelhöhle sind meist eine Folge einer bakteriellen und viralen Infektion der oberen Atemwege. Auch Verätzungen oder Verbrennungen durch ätzende oder heiße Stoffe können die Ursache sein. Weißliche oder gelbliche Beläge können Zeichen eines Vitamin - A - Mangels sein. Solche Auflagerungen werden auch von Pilzen, Hefen oder Trichomonaden verursacht. Bei Pockenerkrankungen bedecken ebenfalls dicke Beläge die Schleimhaut. Verletzungen der Zunge können durch Splitter, Herumknabbern an Holz oder ungeeignetes Spielzeug entstehen. Auch Abschnürungen durch Gummibänder, Fasern oder Haare kommen vor.

Selbstmaßnahmen

Füttern Sie den Vogel in den nächsten Tagen nur mit Weichfutter, z.B. Quark, Ei, Eibiskuit oder eingeweichtem Zwieback, Bananen, gekochtem Reis, Weichfressermischung, geriebenen Möhren etc. und Multivitaminzusätzen. Eine zusätzliche Vitamin - A- Gabe empfiehlt sich, auch wenn keine Beläge zu sehen sind.

Wann zum Therapeuten ??

Wenn sich die Entzündung nicht innerhalb von zwei Tagen bessert, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen. Bei weißen Belägen sollte er zur Diagnosesicherung konsultiert werden. Bei Pocken oder anderen Infektionskrankheiten ist die richtige Diagnose wichtig, um rechtzeitig Maßnahmen einleiten zu können, die eine weitere Verbreitung verhindern.

Welche Therapiemaßnahmen beim Therapeuten ??

Der Tierarzt wird die Ursachen abklären und dann geeignete Heilmittel zur Behandlung einsetzten. Ist ein Fremdkörper die Ursache, wird er diesen entfernen.

Vor - und Nachsorge

Stellen Sie Ihrem Vogel ausreichend Vitamin A zur Verfügung. Passen Sie auf, dass er keine ätzende Flüssigkeiten oder heißen Speisen zu sich nehmen kann. Achten Sie bei Spielzeug auf Bruchsicherheit und glatte Oberflächen. Geben Sie ihm lieber frische Zweige zum Knabbern.

b) Kropfentzündungen, Kropfverstopfung

Der Kropf ist normalerweise nie leer, wenn der Vogel Gelegenheit zum Fressen gehabt hat. Bei einem leeren Muskelmagen gelangt das Futter bei einigen Vogelarten sofort in den Magen. Dies sollten Sie bei der Fütterung ausgehungerter Vögel berücksichtigen, damit keine Verdauungsprobleme entstehen (langsam kleine Mengen anbieten). Bei Papageien wird die Nahrung allerdings immer erst im Kropf "zwischengelagert".

Im Kropf wird bei einigen Arten auch die Kropfmilch gebildet, die den Jungen in den ersten Tagen als Hauptnahrung dient. Bei anderen Arten sammeln die Elterntiere das Futter für ihre Jungen erst im Kropf und bereiten es hier als leichter verdauliche "Babynahrung" zu.

Krankheitsbild

Das Allgemeinbefinden ist meist gestört. Das Tier sitzt aufgeplustert in einer Ecke, frisst wenig oder überhaupt nichts mehr. Auffällig ist das Würgen und Erbrechen zäher schleimiger Massen. Typisch für die Erkrankung ist, dass der Vogel dabei eine Art Schleuderbewegung mit dem Kopf ausführt, so dass das Gefieder am Kopf mit dem Schleim völlig zugeschmiert und verklebt wird. Bei vielen Tieren tritt gleichzeitig Durchfall und Atemnot mit fiepsenden Atemgeräuschen auf.

Der Kropf fühlt sich beim Abtasten durch die starke Verdickung der Kropfschleimhaut vergrößert an, obwohl er wenig oder gar kein Futter enthält. Manchmal kann man Schleimmassen ertasten. Die Konsistenz ist teigig. Der kranke Vogel magert sehr schnell ab. Die Kropfentzündung kann sich leicht wiederholen.

Wichtig: Das Auswürgen von weißlichem, körnerhaltigen Schleim muss nicht immer ein Zeichen einer Kropfentzündung sein, sondern kann besonders bei allein gehaltenen männlichen Wellensittichen durch einen übertriebenen und fehlgeleiteten Fütterungstrieb bedingt sein.

Ursachen

Eine Kropfentzündung kann durch verdorbenes, vergiftetes Futter verursacht worden sein oder durch die Aufnahme unverträglicher Stoffe. Durch allgemeine Abwehrschwäche, Mangelsituation oder Antibiotika - Missbrauch können sich Pilze, Hefen, Trichomonaden oder Bakterien ausbreiten und zu einer Kropfentzündung führen.

Auch eine Kropfverstopfung kann eine Entzündung auslösen. Sie kann Folge übermäßiger Futter-, Grit - und Sandaufnahme sein. Der Kropf wird überfüllt mit unverdauten oder unverdaulichen Stoffen. Nimmt der Vogel zusätzlich Wasser auf, so quellen die Körner im bereits prall gefühlten Kropf. Das Organ wird überdehnt und gelähmt. Der überladene Kropf wird deutlich sichtbar und fühlbar.
Fremdkörper im Kropf sind selten.
Es treten allerdings auch Kropfentzündungen auf, deren Auslöser nicht bekannt ist.

Selbstmaßnahmen

Sofern verdorbenes Futter, unverträgliche oder giftige Stoffe in Betracht kommen, müssen diese natürlich sofort entfernt werden. Bieten Sie als Futter ein Weichfutter an, dem weiteren Vitamine zugesetzt sind.

Wenn der Vogel absolut nichts selbstständig fressen will, müssen Sie ihn mit einem Stärkungsmittel zwangsernähren. Zur Appetitanregung kann ein Enzianwurzelaufguss ins Trinkwasser gegeben werden. Hilfreich ist auch Kamille als Trinkwasserzusatz zur Linderung der Entzündung. Bei einer Kropfverstopfung sollten Sie dem Vogel das Futter für 24 Stunden entziehen. Außerdem können Sie versuchen, mittels ganz vorsichtiger Massage den Kropfinhalt zu entleeren. Aber die Prozedur ist gefährlich, denn das verängstigte Tier kann leicht einem Schock erliegen.

Wann zum Therapeuten ?

Sollten sich nach ein bis zwei Tagen keine Besserung des Zustandes abzeichnen, sollten Sie den Tierarzt aufsuchen. Auch bei einer Kropfverstopfung muss er helfen

Welche Therapiemaßnahmen bei Therapeuten ?

Der Tierarzt wird festellen, ob ein Befall mit Pilzen, Hefen oder Trichomonaden vorliegt, oder ob Bakterien die Entzündung verursachen. Danach kann er geeignete Therapien veranlassen. Eine Kropfverstopfung lässt sich oft nur Operativ oder mit einer Spülung beheben.

Vor - und Nachsorge

Achten Sie darauf, dass das Futter nicht verschimmelt oder verdorben ist und dass der Vogel keine anderen unverträglichen oder giftige Stoffe aufnehmen kann. Geben Sie neben abwechslungsreicher Kost ausreichend Vitamine, vor allem Vitamin A.

Papageien brauchen kein Grit, die Kontraktionen des Muskelmagens sind stark genug, um das Futter zu zermahlen. Grit kann im Gegenteil bei Papageien gefährlich werden. Kranke Tiere neigen dazu, Grit übermassig zu verschlingen und überladen damit Kropf und Muskelmagen. Bieten Sie kleinen Papageien statt dessen zerstoßene Austernschalen an. Sie dienen der Kalziumvorsorgung und können nicht zu einer Überladung des Kropfes führen, da sie im Laufe der Zeit abgebaut werden.

Rasse - Dispositionen

Von Kropfentzündungen werden vor allem Papageien und insbesondere Wellensittiche betroffen. Es kommt leicht zu Rückfällen.

c) Magen-Darmentzündung

Trotz der großen Unterschiede in der Nahrungswahl und im Verdauungssystem zeigen die verschiedenen Vogelgruppen im Fall der Erkrankung von Magen und Darm doch sehr ähnliche Symptome. Durchfall tritt relativ häufig auf.

Krankheitsbild

Das Allgemeinbefinden ist gestört, der Vogel sitzt teilnahmslos und mit gestäubtem Gefieder auf der Stange oder sogar schon matt auf dem Boden. Er nimmt nur noch wenig oder gar keine Nahrung mehr zu sich. Der Bauch ist häufig aufgetrieben. Der Zwölffingerdarm, das Duodenum, scheint oft deutlich durch die Bauchwand.

Die Kloake kann verschmutzt und entzündet sein. Der Kot ist dünnflüssig, schmierig und mit dem Harnanteil vermischt; Farbe und Geruch sind verändert. Er kann braun, grün oder gelblich verfärbt sein, mit oder ohne Blutbeimengung.

Wichtig: Wenn der Harnanteil dünn, schleimig oder wässrig - flüssig ist, aber der Kot selbst noch seine übliche Form hat, dann handelt es sich nicht um Durchfall sondern um Polyurie (krankhafte Vermehrung der Harnmenge evtl. Nierenentzündung)

Ursachen

Durchfälle (Enteritden) können viele Ursachen haben. Das Futter kann durch Schimmel, Fäulnis oder Milben verdorben, für die gehaltene Vogelart nicht geeignet oder schwer verdaulich sein. Auch Vergiftungen können Durchfall auslösen. Infektionen mit Pilzen, Viren oder Bakterien sowie Befall mit Parasiten mit Würmern und Protozoen (z.B. Coccidien und Giardien) können mit Durchfall einhergehen.

Durchfall kann auch eine Begleiterscheinung von Erkrankungen an Leber, Bauchspeicheldrüse, Drüsen - oder Muskelmagen sein. Bei einer Beeinträchtigung der Darmmotorik reagiert der Körper ebenfalls mit Durchfall.

Wichtig: Auch Stress oder Aufregung können einen breiigeren Kot verursachen, ebenso das Legegeschäft. Nicht jeder dünne Kot muss deshalb sofort als Krankhaft eingestuft werden.

Auch nach dem Verzehr großer Mengen Früchte wird der Kot weicher als sonst ausfallen, bestimmte Beeren oder Karotten verändern die Farbe der Ausscheidungen. Bei manchen Arten, etwa bei Loris, ist ein dünnflüssiger Kot aufgrund des Nektars als Nahrungsbestandteil völlig normal.

Selbstmaßnahmen

Kontrollieren Sie das Futter auf Haltbarkeit, Schädlingsbefall und Artverträglichkeit. Wechseln Sie es gegebenenfalls aus.

Wichtig: Bei Durchfall muss schnell gehandelt werden, da der Vogel bereits nach kurzer Zeit ausgetrocknet sein kann. Wenn Ihr Vogel trinkt, sollten Sie Kamillen - oder Eichenrindentee anbieten, da dieser dem Durchfall entgegenwirkt. Außerdem sollten sie ein Mulivitaminpräparat und Mineralstofflösungen geben.

Wann zum Therapeuten ??

Wenn innerhalb von 24 Stunden keine Besserung des Durchfalls und des Allgemeinbefindens eingetreten ist, brauchen Sie unbedingt die Hilfe des Tierarztes. Bringen Sie zu diagnostischen Zwecken den Kot des Vogels mit.

Ist die Kloake entzündet oder vorgefallen, ist ebenfalls sofortige tierärztliche Hilfe nötig.

Wichtig: Liegt der Verdacht auf eine Vergiftung nahe, vertuen Sie keine unnötige Zeit und fahren Sie sofort zum Tierarzt!

Welche Therapiemaßnahmen beim Therapeuten??

Der Tierarzt kann feststellen, ob eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilze vorliegt. Eine parasitologische Kotuntersuchung wird zeigen, ob Endoparasiten wie Würmer, Coccidien oder andere Protozoen den Durchfall auslösten. Unter dem Mikroskop sind dann im Kot, Eier oder Oozyten zu finden.

Wichtig: Bei Parasitenbefall sowie bei einer Infektion durch Bakterien oder Pilze muss unbedingt ein wirksames, gut verträgliches allopathisches Mittel ausreichend lange nach Anweisung des Tierarztes gegeben werden. Naturheilmittel können nur unterstützend verabreicht werden.

Vor - und Nachsorge

Achten Sie darauf, dass Ihr Vogel nur für ihn geeignetes, unverdorbenes Futter erhält. Auch wenn er gern von Ihrem Essen nascht: Salzige, scharfe Nahrung sowie Alkohol sind absolut tabu!!

Tragen Sie dafür Sorge, dass Ihr Welli keine giftigen Stoffe aufnehmen kann. Auch viele Zimmerpflanzen z.B. Dieffenbachien, Oleander, Weichnachtsstern sind giftig.

Sprühen Sie Ihren Vogel nicht mir Insektizid ein. Beim Putzen des Federkleides würde er die giftigen Stoffe aufnehmen. Bringen Sie alle drei Monate eine Kotprobe zum Tierarzt zur Untersuchung auf Endoparasiten. Vögel in Freivolieren können sich leicht am Kot von Wildvögeln infizieren. Vorsorglich sollten Volieren deshalb oben immer vollständig abgedeckt sein.

Zur Stärkung der Widerstandskraft gegen Infektionen und Parasitenbefall können Sie regelmäßig die Bach - Blüten Crab Apple reichen (zwei Tropfen auf 100ml Trinkwasser).

Rassen - Dispositionen

Magen - und Darmentzündungen können bei alle Vogelarten auftreten.

d) Störung der Bauchspeicheldrüse

Störungen der Bauchspeicheldrüsen können in Verbindung mit anderen Krankheiten auftreten.

Krankheitsbild

Das Tier nimmt ständig ab, trotz erheblich gesteigerter Futteraufnahme. Die Kotmenge nimmt - der Futtermengen entsprechend - zu. Der Kot ist krümelig, oberflächlich hellgrau-gelb verfärbt und erstarrt sehr schnell zu kalkigen Haufen. Kot und Harnanteil sind nicht mehr zu unterscheiden. Im Kot kann eine Menge Stärke nachgewiesen werden, die den Darm unverdaut verlässt. Die Erkrankung verläuft chronisch; Chancen auf Heilung bestehen kaum.

Ursachen

Die Ursachen sind nicht bekannt

Wann zum Therapeuten ??

Zur Absicherung der Diagnose sollten Sie zum Tierarzt gehen.

e) Lebererkrankungen

Die Leber ist das wichtigste Stoffwechsel - und gleichzeitig Entgiftungsorgan, deshalb wird sie sehr oft bei Erkrankungen anderer Organe oder bei Infektionen beeinträchtigt. Leberveränderungen in Form einer Entzündung oder fettigen Leberdegeneration kommen bei Vögeln recht häufig vor.

Krankheitsbild

Die Leber ist vergrößert und es kommt meist zu einer Flüssigkeitsansammlung im Bauch (Ascites). Der Leib schwillt ballonartig an, und die Flüssigkeit ist sogar durch die dünne Bauchwand sichtbar oder tastbar.

Begleiterscheinungen einer Lebererkrankung können Durchfall und / oder Erbrechen sein. Der Kot ist bräunlich oder gelblich verfärbt. Kann die Leber die Giftstoffe nicht mehr ausreichend abbauen, sucht sich der Körper als Hilfs- Ausscheidungsorgan andere Organe, z.B. die Haut. Deshalb weisen häufig auch Hauterkrankungen wie ein schlechtes Federkleid, Hautjucken, Dermatitis (vor allem im Halsbereich) auf Leberveränderungen hin.

Auch eine Polyurie kann auf einer Lebererkrankung beruhen. Eine Gelbfärbung der Haut - typisches Zeichen bei Menschen und vielen Säugetieren - ist dagegen bei Vögeln selten zu beobachten. Manchmal findet man Pigmentveränderungen in den Federn, z.B. schwarz verfärbte Spitzen (Melanismus).

Bei einer fettigen Leberdegeneration ist neben den oben beschriebenen Symptomen eine starke Verfettung der Tiere zu finden. Im Brust - oder Bauchbereich sind dicke, gelbliche Fettpolster unter der Haut zu sehen. Durch ihr Übergewicht sind diese Vögel träge, kurzatmig, nach kurzem Flug erschöpft oder sie fliegen gar nicht mehr.

Wichtig: Die Vermutung "Lebererkrankung" bleibt bei lebenden Tieren aber fast immer eine Verdachtsdiagnose, die erst durch eine Sektion nach dem Tod des Vogels bestätigt werden kann.

Ursachen

Hauptursache einer Lebererkrankung ist eine Überforderung des Entgiftungsorgans Leber.

Erster Fall: Eine Veränderung und Degeneration der Leber kann hervorgerufen werden durch:

- eine ganze Reihe von Infektionskrankheiten, ausgelöst durch Viren oder Bakterien ( z.B. Salmonellose, Tuberkulose, Leukose, etc.)
- Pilzinfektionen
- unverträgliche und verpilzte Futtermittel und eine einseitige nicht ausgewogenen Ernährung.
- Gifte, die der Vogel direkt oder über die Haut aufgenommen hat
- Wurmbefall

Zweiter Fall: Ursache der fettigen Leberdegeneration ist im allgemeinen eine falsche Fütterung mit zu kalorienreichem Futter und Bewegungsmangel. Die gleichen Symptome hat allerdings auch eine Schilddrüsenunterfunktion zur Folge.

Selbstmaßnahmen

Erster Fall: Vögel mit Leberstörungen haben verminderten Appetit oder verweigern die Nahrung und Wasser völlig. Das führt sehr schnell zu Austrocknung, auch bei Arten, die wenig trinken oder wenig Wasser benötigen. Aus diesem Grund müssen ihnen Flüssigkeit und Nahrung vorsichtig eingeflößt werden. Dabei empfiehlt sich die spezielle Leberdiät.

Diät bei Lebererkrankungen

Das Futter sollte grundsätzlich protein - und fettarm sein. Geben Sie viel Obst und Grünzeug und über das Trinkwasser zusätzlich Vitamine und Aminosäuren. Bewährt hat sich auch- vor allem bei kranken Papageien - eine Fütterung mit Babykost - Gläschen (Gemüse und Früchte). Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung geben Sie über das Trinkwasser eine Leberschutzlösung.

Mischen Sie Folgendes zusammen :

100ml Glukose
5 ml Hepsan Sirup
10 ml Multivitaminsaft
15 ml Plastisam
5 ml Catosal
und geben davon 1 ml auf 100 ml Trinkwasser. Bei direkter Eingabe verabreichen Sie bitte je nach Größe ein bis fünf Tropfen pro Tag.

Zweiter Fall: Bei Verfettung setzen Sie bitte die Futtermenge herab und erhöhen das Angebot an Obst und Gemüse. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird dem Trinkwasser Jod zugesetzt, ein Tropfen Jod auf 25 bis 30 ml Wasser.

Wann zum Therapeuten ??

Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung mit anhaltendem Durchfall und Erbrechen sowie Futterverweigerung sollten Sie den Tierarzt gleich aufsuchen, um die Ursache zuklären.

Vor- und Nachsorge

Mit einem artgerechtem Futter und ausreichender Bewegungsmöglichkeit beugen Sie Leberstörungen gut vor. Bei Verdacht auf eine Leberschädigung sollten Sie grundsätzlich ein spezielles Futter anbieten (siehe Diät für Lebererkrankungen).
Seien Sie vorsichtig im Umgang mit Insektiziden und anderen Giften, auch Medikamenten. Diese gehören nicht in die Nähe des Vogels. Lassen Sie regelmäßig alle drei Monate eine Kotprobe auf Parasiten untersuchen.

Nach einer überstandenen Erkrankung konnen Sie dem Vogel noch einige Zeit einmal wöchentlich zwei Tropfen Hepar compositum geben.

Rasse- Dispositionen

Leberverfettung wurde vor allem bei Wellensittichen und Stubenkanarien festgestellt, vereinzelt sind auch größere Papageien betroffen. Bösartige Lebertumore hat man vor allem beim Wellensittich gefunden.

 

Tipps und Hinweise

Achten Sie darauf, dass Ihr Vogel nur für ihn geeignetes, unverdorbenes Futter erhält. Auch wenn er gern von Ihrem Essen nascht: Salzige, scharfe Nahrung sowie Alkohol sind absolut tabu!!

Verpaaren Sie keine zu jungen Vögel.

Bieten Sie dem Vogel das Trinkwasser im Winter nur in Gefäßen an, in denen sie nicht baden können!!!

Verwenden Sie niemals Sandpapierhüllen auf den Sitzstangen! Dadurch reiben sich die Vögel die empfindlichen Fußballen schnell wund!

Krallendeformationen können entstehen durch Verletzungen, Entzündungen oder Räude - und Pilzerkrankungen des Nagelbettes, durch mangelnde Krallenpflege sowie durch fehlende Abnutzung infolge von Bewegungsmangel.

Versuchen Sie soweit wie möglich Unfälle und Rangkämpfe zu verhindern. Stärken Sie durch artgerechte Haltung und vollwertige Ernährung die Abwehrkräfte des Vogels. Gewähren Sie ihm ausreichend Sonnenlicht ohne die UV- filternden Glasscheiben.

Falls das Brutgeschehen Ihrer Vögel in einer Voliere stattfindet, sollten Sie darauf achten, dass keine Ratten oder Katzen (oder Menschen) das Brutpaar stören. Falls noch andere Vögel in der Voliere sind, sollten Sie diese für die Dauer der Brut in einen anderen Käfig setzten.

Wärme ist das wichtigste Heilmittel.

Bevor Sie Ihren Vogel frei fliegen lassen, sollten Sie die Umgebung genauestens auf Verletzungsgefahren hin überprüfen!!

Verklebte, teilweise blutverschmierte Federn sind Anzeichen für eine Verletzung der Haut.

Schon bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens besteht Handlungsbedarf!!

Nach einem schweren Trauma, etwa einem Aufprall gegen eine Spiegel - oder Fensterscheibe, muss immer mit der Glaskörperblutung gerechnet werden, besonders wenn der Vogel benommen ist!

Da der Schnabel schnell wächst, muss er regelmäßig gekürzt werden (bei Wellensittichen alle vier Wochen), sonst können die Tiere nicht mehr richtig fressen, sich nicht pflegen und sich Verletzungen zufügen.

Nicht zu empfehlen ist das Kürzen mit einer Zange, da der Schnabel splittern kann.

Die Atemfrequenz beträgt 80-100 Atemzüge pro Minute.

Vermeiden Sie Erdnüsse mit Schalen, da diese oft Aspergillus- Pilzsporen enthalten.

Geben Sie Ihrem Papagei keinesfalls nur Sonnenblumenkerne! Diese sind sehr fetthaltig und führen schnell zu Mangelsituationen.

Zugeflogene Wellensittiche werden in Deutschland als Fundsache behandelt, das heißt, sie sind immer noch Eigentum des ursprünglichen Besitzers. Da in Deutschland alle Sittiche amtliche Ringe tragen müssen, kann über den Züchter eventuell der ursprünglichen Besitzer ausfindig gemacht werden.

Bitte verfütteren Sie auf keinen Fall folgende Frischkost:

Avocado (zu fettig und in Kernnähe giftig für Vögel), frische Datteln (zu viele Gerbstoffe), Grapefruit, Pampelmuse, Pomelo (zu säurehaltig und bitter), Kumquat (zu säurehaltig), Passionsfrucht (fast alle Arten enthalten zu viel Säure), unreife Kaki beziehungsweise Sharon (zu viele Gerbstoffe), Zitrone (viel zu säurehaltig)

Wellensittiche haben drei Augenlider. Das obere, das untere und ein seitliches Augenlid das bei Bedarf quer über das Auge verläuft, um es zu schützen.

Wellensittiche sind warmblütige Tiere. Die normale Körpertemperatur beläuft sich auf etwa 41 Grad Celsius, und ist somit höher als bei anderen Haustieren wie Hund oder Katze.

Mangel an Vitamin A entsteht durch ausschließliche Körnerfütterung.

Mangel an Vitamin D³ entsteht durch zu wenig direktes Sonnenlicht (Fensterscheiben absorbieren UV-Strahlung).

Leitern und Schaukeln fördern die Bewegung und beugen einer Verfettung Ihrer Vögel vor.

Waagerechte, verzinkte Metallstangen im Käfig sorgen für eine gute Durchsicht und sind eine gute Kletterhilfe für Ihren Vogel!

Säuberen Sie jeden Morgen Trink- und Futtergefäße mit lauwarmen Wasser und bieten Sie stets frisches Futter an.

Wellensittiche sind Gesellschaftstiere. Um sich sicher fühlen zu können, brauchen sie die Schar. So gesehen verbietet sich Einzelhaltung von allein.

Die Nestlingszeit bei Wellensittichen dauert bis zu 32 Tagen.

Temperaturen unter 0° C überstehen Wellensittiche, weil sie sich in ihrer Schar nachts dicht aneinander kuscheln.