Die richtige Haltung

Alles rund um den gefiederten Freund von A wie Anschaffung bis Z wie Zucht.

Durch die Fähigkeit zu Fliegen ist der Vogel in der Natur an fast grenzenlose Freiheit gewöhnt. Wenn Sie sich so ein Tier ins Haus holen, übernehmen Sie eine große Verantwortung für sein Wohlergehen. Der Vogel ist in Gefangenschaft völlig auf Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Wissen um seine Bedürfnisse und vor allem auf Ihre sorgfältige Pflege angewiesen.

Die Qual der Wahl

Ob muntere Körnerfresser , empfindliche und anspruchsvolle Weichfresser oder zutrauliche, fordernde Papageien - die Auswahl ist groß und der Vogelliebhaber hat es nicht leicht sich zu entscheiden.

Wildfänge

Ein solcher wildgefangener Vogel, der in seiner Heimat ja wahrscheinlich von seinem Partner weggerissen worden ist, wird immer traurig und verängstigt sein. Wahrscheinlich wird er sich bei Ihnen nicht heimisch fühlen. Dagegen können sich Vögel aus der Nachzucht- artgerechte Haltung vorausgesetzt - zu wunderbaren Freunden entwickeln. Auch aus Gründen des Artenschutzes sollten Sie Wildfänge ablehnen.

Bei der Wahl der Vogelart sollten Sie folgende Punkte beachten:

Wie viel Platz kann ich dem Vogel bieten?

Eine enge Beziehung lässt sich nur zu einigen Papageienarten und Beos aufbauen. Aber diese Vögel fordern dann ihrerseits auch den Besitzer. Sie müssen also genug Zeit haben und sich mehrmals täglich ausgiebig mit Ihrem Vogel beschäftigen. Bei einem großen Papagei wie Graupapagei, Ara oder Kakadu müssen Sie sich im Klaren darüber sein, dass dies eine Verbindung für viele Jahrzehnte werden wird. Diese Vögel werden alt und binden sich lebenslang an ihren Partner, aber auch an die Bezugsperson. Sie sind hochintelligent, sensibel und brauchen sehr viel Aufmerksamkeit und Anregung, aber wegen ihres gefährlichen Schnabels auch eine gute Erziehung.

Kleinere Arten sind einfacher zu halten. Allerdings werden sie nicht so zahm wie Wellensittiche oder Nymphensittiche. Wegen des extrem flüssigem Kots sind Loris, aber auch Beos problematisch.



Einzelhaltung

Vögel sind Gesellschaftstiere und sollten niemals einzeln gehalten werden. Selbst wenn Sie sich noch so viel Mühe geben, Sie können den Vogelpartner nicht ersetzten. Ihr Vogel, der in Ihnen seinen Partner sieht, ist ständig frustriert. Daraus entstehen viele psychische Störungen und körperliche Krankheiten, Vögel können an Einsamkeit und auch an Trauer eingehen. Mit dem passenden Vogelpartner entsteht dieses Problem nicht. Wenn Sie Wert auf ausgesprochen zahme Vögel (Papageien, Beos) und eine enge Beziehung zu ihnen legen, sollten Sie zuerst einen einzelnen Jungvogel erwerben und sich sehr viel mit ihm beschäftigen. Erst nach ein paar Wochen kommt dann der zweite nestjunge Vogel dazu und wird langsam eingewöhnt.

Nicht jeder Partner wird akzeptiert

Wellensittiche sind zwar nicht so wählerisch wie ihre Verwandten die Großpapageien, dennoch gefällt ihnen noch lange nicht jeder Partner. Es kann durchaus möglich sein, dass Ihrem Welli der neuen Partner nicht zusagt. Vielleicht bleibt er auch lieber alleine zu Hause, denn Wellensittiche können auch sehr dominant sein. Wenn beide Wellis in einem Käfig wohnen, kann es sein, das dass Männchen oder das Weibchen die Flugstunden nutzen, um sich den Bauch voll zuschlagen, weil ihn der andere sonst nicht an den Fressnapf lässt.

Um neue Wellis aneinander zu gewöhnen, sollte deshalb erst mal nur eine "Gitterbekanntschaft" stattfinden. Also getrennte Käfige und immer nur einzeln Freiflug für einen Zeitraum von ca. zwei Wochen. Danach zusammen Freiflug und schauen wie sie sich verhalten. Wenn sich die beiden dann gut verstehen steht auch einer Zukunft zusammen in einem Käfig nichts mehr im Wege.

Kinder und Vögel

Die idealen Freunde für Ihr Kind sind Wellensittiche und Nymphensittiche. Hier gilt ebenfalls : Nicht nur einen Vogel halten!

Auch wenn die Pflege größere Kindern durchaus schon übertragen werden kann, müssen Sie sich täglich selbst davon überzeugen, dass es den Vögeln an nichts mangelt.

Die wichtigsten Pflegemaßnahmen
Papageien Körnerfresser Weichfresser
Neues Futter und Wasser täglich täglich zweimal täglich
Reinigung gründlich alle 2.3 Tage alle 2.3 Tage täglich
Reinigung grob täglich täglich zweimal täglich
Einsprühen mit Exner Petguard
Das Federkleid wöchentlich wöchentlich wöchentlich
Voliere monatlich monatlich monatlich
genauere Beobachtung täglich täglich täglich
genaue Untersuchung wöchentlich nach Bedarf nach Bedarf
Krallen-und Schnabel-Pflege nach Bedarf nach Bedarf nach Bedarf
Kotuntersuchung auf Parasiten alle 3 Monate alle 3 Monate alle 3 Monate
Bademöglichkeit täglich täglich täglich
mit Wasser einsprühen täglich täglich täglich

Die richtige Haltung

Die beste Haltungsform ist ohne Frage, die mit der größtmöglichen Bewegungsfreiheit und die bieten Garten - oder Zimmervolieren oder sogar ein Vogelzimmer. Mit ungiftigen Sträuchern, Baumstämmen, Pflanzen und Steinen können diese Vogelhäuser sehr dekorativ gestaltet werden. Auf keinen Fall sollten Sie Papageien auf einem Freisitz anketten.

Der richtige Käfig

Leider hat nicht jeder Vogelliebhaber die räumlichen Vorraussetzungen für eine große Voliere. Halten Sie Ihre Vögel in einem Käfig, dann sollten Sie auf die richtige Form und Größe achten. Völlig ungeeignet sind runde Vogelkäfige oder verschnörkelte Käfige. Die beste Form ist ein schlichtes Rechteck, das auch für kleinere Vögel wie Wellensittiche oder Kanarienvögel ein Mindestmaß von etwa 60x30x50cm (L x B x H) haben sollte, besser wäre 100x50x80 cm. Für größere Vögel muss der Käfig entsprechend geräumiger sein.

Bei Wellensittichen, die viel klettern, sollte der Käfig eher höher, bei Weichfressern eher länger sein, denn sie brauchen Platz zum hüpfen. Das Gittermaterial des Käfigs muss frei von Schadstoffen sein, da sich Papageien beim Beknabbern der Stäbe sonst vergiften könnten.

Einrichtung des Käfigs

Sitzstangen

Drei bis vier Sitzstangen reichen meist aus. Aber tauschen Sie einige Stangen gegen Naturholzäste (z.B. von Obstbäumen, Weiden, Eichen, Erlen oder Pappeln) aus. Die üblichen Plastik- oder Holzstangen können Fußballengeschwüre verursachen. Die Zweige sollten unterschiedlich stark und so dick sein, dass der Vogel sie mit seinen Zehen etwa zu 2/3 oder 3/4 umfassen kann. Bevor Sie die Äste im Käfig anbringen, sollten Sie sie mit heißem Wasser und einer Bürste abbürsten. Für Papageien sind Naturholzäste auch ein wichtiges Beschäftigungsmittel; sie knabbern gerne daran. Wichtig ist auch, dass zumindest einige Stangen leicht federnd angebracht werden.

Futternäpfe

Futternäpfe benötigen Sie so viele, dass Sie die einzelnen Futtersorten in verschiedenen Gefäße geben kannst. So können Sie besser kontrollieren, was Ihren Vögeln schmeckt. Futterautomaten sind nicht zu empfehlen. Die Spelzen der Körner können die Öffnung verstopfen, die Vögel verhungern vor dem gefüllten Automaten. Wasserautomaten sind dagegen ganz praktisch. Füttern Sie Frucht- und Weichfresser nie am Boden, sondern bringen Sie eine ausreichende Anzahl an Gefäßen in erhöhter Position an.


Bodenbelag

 
Als Bodenbelag eignet sich Sand oder Zeitungspapier. Bewährt hat sich auch die Einstreu von Buchenspäne. Die Späne bieten Ihren Wellis außerdem zusätzliche Möglichkeiten zum Knabbern und zur Schnabelarbeit.

Der richtige Platz

Wo Sie sich am häufigsten aufhalten, da sollte auch der Vogelkäfig stehen - mit Ausnahme der Küche, denn hier lauern zu viele Gefahren. Ihre Vögel fühlen sich am Wohlsten an einem hellen Platz in der Nähe des Fensters. Zugluft und volle Sonneneinstrahlung müssen auf jeden Fall vermieden werden. Sonnenlicht ist zwar wichtig, aber die Vögel müssen sich in den Schatten zurückziehen können. Zigarettenqualm und laute Musik schaden der Gesundheit Ihrer Vögel.

Freiflug

Bei allen Vögeln in Käfighaltung ist es unbedingt notwendig, sie einige Stunden täglich, mindestens eine Stunde, frei fliegen zu lassen, um ihnen genügend Bewegung zu verschaffen. Sonst verfetten die Vögel und werden krank. Volieren müssen ausreichend Flugraum bieten.



WICHTIG!!!: Bauen Sie Ihren Vögeln für den Freiflug einen Vogelbaum mit einer großen Schale zum Auffangen der Ausscheidungen.

Tipps und Hinweise

Zigarettenqualm und laute Musik schaden der Gesundheit Ihrer Vögel.

Der Wellensittich fällt nicht unter das Tierkörperbeseitigungs-gesetz, so dass ein verendeter Wellensittich im Garten begraben werden darf.

Die normale Körpertemperatur beträgt bei einem gesunden Vogel je nach Art zwischen 40 und 44 °C, die Herzschlagfrequenz liegt je nach Größe und Aufregung zwischen 110 und 600 Schlägen pro Minute.

Durch Aufplustern des Gefieders und anschließendes Schütteln zeigt er, dass er sich freut, dass Sie wieder da sind.

Wellensittiche sind begnadete Flugkünstler. Sie fliegen schnell, ausdauernd und können ihre Flugrichtung mit einem perfekten Schwenk ändern.

Bei Vögeln, die Spektakel machen, um beachtet zu werden, ist es wichtig, dass der Vogel keine Aufmerksamkeit bekommt, solange er schreit. Denn er würde das unerwünschte Verhalten in Zukunft nur verstärken.

Achten Sie darauf, dass Ihr Vogel nur für ihn geeignetes, unverdorbenes Futter erhält. Auch wenn er gern von Ihrem Essen nascht: Salzige, scharfe Nahrung sowie Alkohol sind absolut tabu!!

Verpaaren Sie keine zu jungen Vögel.

Bieten Sie dem Vogel das Trinkwasser im Winter nur in Gefäßen an, in denen sie nicht baden können!!!

Verwenden Sie niemals Sandpapierhüllen auf den Sitzstangen! Dadurch reiben sich die Vögel die empfindlichen Fußballen schnell wund!

Krallendeformationen können entstehen durch Verletzungen, Entzündungen oder Räude - und Pilzerkrankungen des Nagelbettes, durch mangelnde Krallenpflege sowie durch fehlende Abnutzung infolge von Bewegungsmangel.

Versuchen Sie soweit wie möglich Unfälle und Rangkämpfe zu verhindern. Stärken Sie durch artgerechte Haltung und vollwertige Ernährung die Abwehrkräfte des Vogels. Gewähren Sie ihm ausreichend Sonnenlicht ohne die UV- filternden Glasscheiben.

Falls das Brutgeschehen Ihrer Vögel in einer Voliere stattfindet, sollten Sie darauf achten, dass keine Ratten oder Katzen (oder Menschen) das Brutpaar stören. Falls noch andere Vögel in der Voliere sind, sollten Sie diese für die Dauer der Brut in einen anderen Käfig setzten.

Wärme ist das wichtigste Heilmittel.

Bevor Sie Ihren Vogel frei fliegen lassen, sollten Sie die Umgebung genauestens auf Verletzungsgefahren hin überprüfen!!

Verklebte, teilweise blutverschmierte Federn sind Anzeichen für eine Verletzung der Haut.

Schon bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens besteht Handlungsbedarf!!

Nach einem schweren Trauma, etwa einem Aufprall gegen eine Spiegel - oder Fensterscheibe, muss immer mit der Glaskörperblutung gerechnet werden, besonders wenn der Vogel benommen ist!

Da der Schnabel schnell wächst, muss er regelmäßig gekürzt werden (bei Wellensittichen alle vier Wochen), sonst können die Tiere nicht mehr richtig fressen, sich nicht pflegen und sich Verletzungen zufügen.

Nicht zu empfehlen ist das Kürzen mit einer Zange, da der Schnabel splittern kann.

Die Atemfrequenz beträgt 80-100 Atemzüge pro Minute.

Vermeiden Sie Erdnüsse mit Schalen, da diese oft Aspergillus- Pilzsporen enthalten.

Geben Sie Ihrem Papagei keinesfalls nur Sonnenblumenkerne! Diese sind sehr fetthaltig und führen schnell zu Mangelsituationen.

Zugeflogene Wellensittiche werden in Deutschland als Fundsache behandelt, das heißt, sie sind immer noch Eigentum des ursprünglichen Besitzers. Da in Deutschland alle Sittiche amtliche Ringe tragen müssen, kann über den Züchter eventuell der ursprünglichen Besitzer ausfindig gemacht werden.

Bitte verfütteren Sie auf keinen Fall folgende Frischkost:

Avocado (zu fettig und in Kernnähe giftig für Vögel), frische Datteln (zu viele Gerbstoffe), Grapefruit, Pampelmuse, Pomelo (zu säurehaltig und bitter), Kumquat (zu säurehaltig), Passionsfrucht (fast alle Arten enthalten zu viel Säure), unreife Kaki beziehungsweise Sharon (zu viele Gerbstoffe), Zitrone (viel zu säurehaltig)

Wellensittiche haben drei Augenlider. Das obere, das untere und ein seitliches Augenlid das bei Bedarf quer über das Auge verläuft, um es zu schützen.

Wellensittiche sind warmblütige Tiere. Die normale Körpertemperatur beläuft sich auf etwa 41 Grad Celsius, und ist somit höher als bei anderen Haustieren wie Hund oder Katze.

Mangel an Vitamin A entsteht durch ausschließliche Körnerfutterung.

Mangel an Vitamin D³ entsteht durch zu wenig direktes Sonnenlicht (Fensterscheiben absorbieren UV-Strahlung).

Leitern und Schaukeln fördern die Bewegung und beugen einer Verfettung Ihrer Vögel vor.

Waagerechte, verzinkte Metallstangen im Käfig sorgen für eine gute Durchsicht und sind eine gute Kletterhilfe für Ihren Vogel!

Säuberen Sie jeden Morgen Trink- und Futtergefäße mit lauwarmen Wasser und bieten Sie stets frisches Futter an.

Wellensittiche sind Gesellschaftstiere. Um sich sicher fühlen zu können, brauchen sie die Schar. So gesehen verbietet sich Einzelhaltung von allein.

Die Nestlingszeit bei Wellensittichen dauert bis zu 32 Tagen.

Temperaturen unter 0° C überstehen Wellensittiche, weil sie sich in ihrer Schar nachts dicht aneinander kuscheln.